Streit über EU-Beitritt
„EU läuft Gefahr, die Türkei zu verlieren“

Den Beziehungen zwischen Türkei und EU droht ein schwerer Rückschlag. Grund ist ein heftiger Streit zwischen Berlin und Ankara über die Lage in dem Land am Bosporus. Noch besteht die Möglichkeit, den Konflikt beizulegen.
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BerlinDer Streit zwischen Deutschland und der Türkei über den EU-Beitritt des Landes am Bosporus sorgt für zunehmende Spannungen. Nach einem heftigen verbalen Schlagabtausch in den vergangenen Tagen bestellten beide Regierungen am Freitag die Botschafter des jeweils anderen Landes ins Außenministerium ein, um ihr Missfallen zu bekunden.

Der Konflikt hatte sich an der ursprünglich für kommende Woche geplanten Eröffnung eines neuen Verhandlungskapitels der Beitrittsgespräche entzündet. Die Regierung in Ankara wirft Deutschland vor, dies aus Unmut über die Polizeigewalt bei den jüngsten Protesten in der Türkei hinauszuzögern. Deutschland erklärt dagegen, man habe aus technischen Gründen noch Fragebedarf. Am Montag gehen die Beratungen in Brüssel über die Öffnung des Kapitels weiter.

Der türkische Außenminister Ahmed Davotoglu teilte Journalisten bei einem Besuch in Odessa mit, der deutsche Botschafter sei einbestellt worden. "Wir wollen ihm unsere Sicht der jüngsten Entwicklungen darlegen", hieß es in türkischen Regierungskreisen. Die Einbestellung des Botschafters ist ein seltenes diplomatisches Ritual, das als Instrument genutzt wird, um die Regierung eines anderen Landes massiv öffentlich zu kritisieren.

Die Beitrittsverhandlungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union (EU) sind seit drei Jahren blockiert. Die Eröffnung des neuen Kapitels würde sie wieder in Gang bringen und wäre ein starkes Symbol der Annäherung, nachdem die Beziehungen zwischen der EU und der Türkei sich zuletzt eher abgekühlt hatten. Erst vor wenigen Tagen rügte Bundeskanzlerin Angela Merkel das harte Vorgehen türkischer Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstranten. Irland hatte sich stark dafür eingesetzt, die Gespräche wieder in Schwung zu bringen. Ob das neue Verhandlungskapitel nun allerdings noch im Juni und damit unter irischer EU-Ratspräsidentschaft eröffnet wird, ist unklar.

Die Grünen warnte vor den Folgen des Streits. Angetrieben von Deutschland und den Niederlanden stoße die EU der Türkei vor den Kopf. „Wer noch nicht einmal zu recht unkomplizierten Fragen wie der Regionalpolitik zu Verhandlungen bereit ist, kann sich kaum Hoffnungen auf einen konstruktiven Dialog bei Menschenrechtsthemen machen“, sagte der Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck Handelsblatt Online.  Nicht umsonst hätten Großbritannien und Schweden gestern in Brüssel davor gewarnt, einen „strategischen Fehler“ zu begehen.

„Die EU läuft Gefahr, die Türkei zu verlieren“, sagte Beck weiter. „Es geht in der kommenden Woche um mehr als die Öffnung des Kapitels 22 zur Regionalpolitik. Wer sich jetzt versperrt, verpasst einen strategischen Moment.“

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Merkel befürwortet eine "privilegierte Partnerschaft"

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  • "- die Türkei hat bis heute ihre Genozide gegen die Armenier und Kurden nicht eingestanden (geschweige denn aufgearbeitet)"

    Man kann ja sehr, sehr kritisch sein über das was in der Türkei passiert. Aber es ist schade, dass zwischendurch objektiver Stuss behauptet wird.

    Die Mär eines Genozids ist nichts als eine Unterstellung. Ihr Wahrheitsgehalt ist nicht größer als die Mär der Römer vom barbarischen Karthago. Wir können hier über Kriegsverbrechen und ungerechtfertigte Vertreibung sprechen, wie sie nicht nur den Armeniern sondern auch Ostpreussen, Schlesiern oder Sudetendeutschen widerfahren ist. Aber von Genozid zu sprechen ist schlicht und ergreifend unredlich.

  • „EU läuft Gefahr, die Türkei zu verlieren“

    Niemand geht verloren. Die Beziehungen untereinander sind dabei sich zu verändern.

    Für Deutschland und die inländischen Türken bedeutet dies: entweder die Türken passen sich an (insbesondere die Anhänger der AKP, der MHP und der PKK / BDP) oder sie sollen dorthin gehen, wo sie auch gewollt sind. Hier im Westen ist nur Platz für freiheitliche Laizisten!

  • Der degenerierte deutsche Nazisack will doch am liebsten wirtschaftliche Konkurrenz (Türkei, China, Brasilien) im Keim ersticken, damit er weiter seine qualitativ minderwertigen Waren losschlagen kann.

    Deutsche Waren = Schrott
    Deutsche "Autos" = Rollender Nazi-Dreck

    http://performancedrive.com.au/wp-content/uploads/2013/02/2013-JD-Power-Vehicle-Dependability-Study.jpg


    BOYKOTTIERT DEUTSCHE WAREN UM DAS DEUTSCHEN FASCHISTEN REGIME WIRTSCHAFTLICH ZU ERLEDIGEN !!!!

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