Streit über Flüchtlingspolitik Schulz fordert klare Worte an Ungarns Ministerpräsidenten Orban

Schulz hat seinen CSU-Kollegen Seehofer dazu aufgefordert, sich gegenüber Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban zu positionieren. Orban lehnt die Quote bei der EU-weiten Flüchtlingsverteilung für sein Land strikt ab.
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SPD-Vorsitzender Schulz ruft den CSU-Vorsitzenden Seehofer auf, sich gegenüber dem umstrittenen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban zu positionieren. Quelle: dpa
Vor den Sondierungsgesprächen

SPD-Vorsitzender Schulz ruft den CSU-Vorsitzenden Seehofer auf, sich gegenüber dem umstrittenen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban zu positionieren.

(Foto: dpa)

Berlin
Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz fordert CSU-Chef Horst Seehofer zu klaren Worten in Richtung des umstrittenen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban auf. Vor allem in der Flüchtlingspolitik verfolge Orban eine „gefährliche Logik“, sagte Schulz der „Bild“-Zeitung (Freitag). „Ich erwarte, dass Herr Seehofer ihm bei diesem Thema und auch bei den Themen Presse- und Meinungsfreiheit ganz klare Grenzen aufzeigt.“ Orban ist am Freitag Gast auf der Winterklausur der CSU-Landesgruppe im oberbayerischen Kloster Seeon.

Ungarn steht in der EU in der Kritik, weil das Land Quoten bei der Flüchtlingsverteilung ablehnt. Darüber hinaus werfen Kritiker Orban vor, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Ungarn abzubauen. Der rechts-konservative ungarische Regierungschef gilt aber als Freund der CSU - Seehofer hatte die Einladung Orbans zuletzt verteidigt.

CDU, CSU und SPD wollen ab Sonntag mit ihren einwöchigen Sondierungen beginnen und Möglichkeiten einer Regierungsbildung ausloten - unmittelbar nach Ende der CSU-Klausur in Seeon. Die Tagung der CSU-Bundestagsabgeordneten dauert bis Samstag, zuletzt hatte die CSU zentrale Forderungen wie die einer Obergrenze bei der Migration sowie einer weiteren Aussetzung des Familiennachzugs für Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutzstatus bekräftigt.

In den Papiere, die die Landesgruppe beschließen will, ist auch die umstrittene Forderung enthalten, bei jungen Flüchtlingen „standardmäßig durch geeignete Untersuchungen“ das Alter feststellen zu lassen. Schulz hält nichts davon. Man könne nicht „aus jedem Einzelfall eine Gesetzesänderung ableiten“, sagte er der „Bild“. Auslöser der laufenden Debatte war ein Fall im rheinland-pfälzischen Kandel, wo ein angeblich minderjähriger Flüchtling seine 15-jährige Ex-Freundin getötet haben soll.

Zu Knackpunkten in den Sondierungen könnten der Familiennachzug für Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutzstatus und die von Teilen der CSU präferierte Rückführung syrischer Flüchtlinge werden. SPD-Außenpolitiker Niels Annen bezeichnete diese Forderung als „unstillbares Profilierungsbedürfnis der CSU“. Er sagte der „Welt“, es könne keine Rede davon sein, „dass der Konflikt in Syrien beendet oder die Sicherheitslage in weiten Landesteilen signifikant besser wäre“. CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter distanzierte sich ebenso von diesen Forderungen aus der CSU. „Von vorneherein Abschiebungen nach Syrien zu befürworten, halte ich für verfrüht.“

Schulz betonte in der „Bild“, es dürfe auch keine Verlängerung des Familiennachzugs-Stopps für syrische Flüchtlinge geben. „Deutschland muss sich an internationles Recht halten, unabhängig von der Stimmung im Land oder in der CSU.“ Wenn die CSU bei ihren Nein bleibe, werde sich zeigen, „ob Frau Merkel und Herr Seehofer eine stabile Regierung mit der SPD bilden wollen oder nicht“. Der SPD-Chef forderte eine gemeinsame Leitidee für eine Regierung: „Wir müssen Deutschland erneuern. Das stärkt den Zusammenhalt. Und das schafft dann neues Vertrauen beim Bürger.“

FDP-Vize Wolfgang Kubicki vermutet angesichts der CSU-Sticheleien in Richtung SPD, dass die Christsozialen nicht unbedingt eine große Koalition anstreben. „Eine neue Bundesregierung in Berlin zu bilden, ist der CSU völlig egal. Sie nimmt sogar in Kauf, dadurch Angela Merkel zu stürzen“, sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Freitag). „Schafft es die geschäftsführende Bundeskanzlerin ein zweites Mal nicht, eine Regierung zu bilden, ist sie politisch derart desavouiert, dass es ihr kaum möglich sein wird, erneut als Spitzenkandidat der Union anzutreten“, befand Kubicki. „Der CSU wäre offensichtlich eine Neuwahl parallel zur Landtagswahl die liebste Option.“

Zwei neue Umfragen untermauern die Skepsis der Bundesbürger mit Blick auf eine Neuauflage der großen Koalition. In einer Insa-Umfrage im Auftrag des Nachrichtenmagazins „Focus“ befürworteten 34 Prozent der Befragten eher eine Neuwahl, nur 30 Prozent eine große Koalition. Im ARD-„Deutschlandtrend“ bewerteten 45 Prozent der Befragten eine Koalition aus Union und SPD als sehr gut oder gut - 52 Prozent bezeichneten sie hingegen als weniger gut oder sogar schlecht.

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  • dpa
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6 Kommentare zu "Streit über Flüchtlingspolitik: Schulz fordert klare Worte an Ungarns Ministerpräsidenten Orban"

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  • Dreht Schulz jetzt völlig durch? Bayern soll jetzt EU-Politik umsetzen - wie kann man Bayern nur so politisch aufwerten?

    Außerdem hat es etwas Diktatorisches, dass dieser Ideologie sich anmaßt „der Stimmung im Land“ einen illegalen Anstrich zu geben.

    „„Wir müssen Deutschland erneuern.“ Ist diesem Ideologen Deutschland noch nicht genug erneuert – mit neuen Bürgern?

  • Was erlauben Schulz, würde Trappatoni sagen. Ein Lügner vor dem Herrn, der nicht weis was hinten und vorne ist, den niemand noch für voll nimmt, will auch im Konzert der Großen mit spielen, bloß lässt ihn keiner. Er haben fertig und das für immer. Er klammert sich noch an den letzten Strohhalm GROKO, aber auch der zerbricht. Solche Politiker kann Deutschland nun mal gar nicht gebrauchen.

  • Ich hoffe sehr, daß die CSU diesmal zu ihren Worten steht. Eine sogenannte GroKo hat Gott sei Dank nur mit dem Stimmanteil der CSU eine parlamentarische Mehrheit. Dreht sie - wie immer in der jüngeren Vergangenheit - wieder bei - dann viel Glück bei der Landtagswahl im Herbst.
    Es wird hoffentlich zu Neuwahlen in diesem Jahr kommen - ohne Merkel, ohne Schulz und ohne Seehofer.

  • Nachdem die Sozen die Zensur eingeführt haben kritisieren sie Herrn Orban.
    Gibt es eigentlich noch größere Lügner als diese System-Partei ?

  • Schulz fordert klare Worte an Ungarns Ministerpräsidenten Orban! Ich bin der festen Überzeugung Herr Schulz sollte zuerst seinen Laden in Ordnung bringen, bevor er Ratschläge für einen Besuch des Ungarischen Ministerpräsiden von sich gibt.
    Sie sitzen nicht mehr im EU-Parlament (das überflüssig ist) und können Gelder kassieren ohne dafür gearbeitet zu haben.
    Herr Schulz halten sie sich endlich zurück, ihre Tage an der SPD Spitze sind gezählt.

  • Das die deutschen Politiker die eigene Gesellschaft und Bevölkerung verabscheuen und diese austauschen möchten ist eine Sache. Immerhin haben sich die Wähler mit grosser Mehrheit dafür entschieden ausgetauscht zu werden. Mir stellt sich die Frage aus welchem Grund das deutsche Politiksystem Druck auf andere Staaten in Europa ausübt der eigenen Ideologie zu folgen und die Bevölkerung auszutauschen. Ist das der Wunsch nach europäischer Dominanz?

    Erfrischend ist auch, dass Herr Schulz die Einschränkung von Meinungsfreiheit und Demokratie in Ungarn beklagt während der Parteifreund Maas Zensurgesetze für das Internet einbringt und jetzt umsetzt.

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