Streit über Rettungspakete
Heftiger Konjunkturzwist zwischen EU und USA

Drei Wochen vor dem Weltfinanzgipfel in London ist zwischen der EU und den USA ein heftiger Streit über die richtige Antwort auf die globale Krise entbrannt. Die meisten EU-Staaten und die EU-Kommission wehren sich gegen Forderungen aus Washington, die staatlichen Konjunkturprogramme weiter aufzustocken. Spaniens Finanzminister Solbes warnte im Handelsblatt-Interview sogar ausdrücklich davor, dem US-Kurs zu folgen.

STRAßBURG/MADRID. "Wir haben ein sehr ehrgeiziges und in der europäischen Geschichte einmaliges Konjunkturpaket verabschiedet", sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso dem Handelsblatt. "Das müssen wir jetzt wirken lassen. Dann werden wir auch positive Ergebnisse sehen."

auch Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnten zusätzliche Investitionsprogramme ab, wie sie die USA von Europa verlangen. Sie forderten stattdessen, dass der G20-Gipfel Anfang April in London bindende Vereinbarungen zur Kontrolle der internationalen Finanzmärkte treffen müsse. „Wir müssen alles tun, dass sich solche Krisen nicht wiederholen“, sagte Sarkozy.

Deutschland und Frankreich hätten bereits sehr viel zur Stabilisierung der Konjunktur getan, sagte er. „Wir wollen nicht noch mehr Geld ausgeben.“ Anders als in den USA haben für die Europäische Union internationale Vereinbarungen zur lückenlosen Überwachung der Finanzmärkte derzeit Priorität, um das Banken-System wieder in Gang zu bringen und es transparent zu gestalten.

Merkel und Sarkozy betonten ihre „vollkommen identische Position“. Die Kanzlerin sprach von einem „gemeinsamen Signal“. Sie geht davon aus, dass auch der britische Premier Gordon Brown diese Haltung übernimmt. Großbritannien hat bislang wie die USA weitere Konjunkturprogramme verlangt. Merkel reist an diesem Freitag zu Gesprächen mit Brown nach Großbritannien.

Angeheizt wurde der Streit durch Meldungen über Pläne der USA und Großbritanniens, auf dem Weltfinanzgipfel Anfang April ein gigantisches, kreditfinanziertes Paket gegen den Zusammenbruch des Welthandels vorzuschlagen. Der Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama, Larry Summers, hatte die Europäer zudem aufgefordert, "kurzfristig" noch mehr zu tun, um die weltweite Nachfrage zu stärken. Das US-Konjunkturprogramm von 787 Mrd. Dollar entspricht 5,6 Prozent des amerikanischen BIP und ist deutlich umfangreicher als das europäische.

Seite 1:

Heftiger Konjunkturzwist zwischen EU und USA

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%