Streit um Abwehrsystem
Putin setzt US-Raketenschild mit Pershings gleich

Russlands Präsident Wladimir Putin setzt seine rhetorischen Attacken gegen die geplante Stationierung von Teilen des US-Raketenabwehrsystems fort: Den Besuch seines tschechischen Kollegen Vaclav Klaus, der eigentlich für das System werben wollte, zog Putin Parallelen zu den 80-er Jahren - und schummelte dabei, gelinde gesagt, ein wenig.

HB MOSKAU. „Für Russland ist es das Gleiche wie die Aufstellung der Pershings. Die Bedrohung ist absolut identisch“, sagte Putin nach einem Treffen mit seinem Klaus am Freitag in Moskau. Die Pershing-II-Mittelstreckenraketen hatten die USA in den 1980er Jahren als Reaktion auf die sowjetische SS-20 in Westeuropa stationiert, darunter in der Bundesrepublik. Allerdings wären die westlichen Mittelstreckenraketen wohl nie aufgeboten worden, hätte die Sowjetunion nicht seit 1975 hunderte SS-20 in Dienst gestellt.

Putin sagte, das jetzt geplante US-Abwehrsystem sei in der Lage, das russische Territorium bis zum Ural zu kontrollieren. „Wir werden aber entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen.“ Putin spielte zudem US-Außenministerin Condoleezza Rice den Ball zurück, die russische Kritik an den US-Raketenabwehrplänen als lächerlich bezeichnet hatte. Putin sagte, die von den USA angeführte Erklärung, die Raketenabwehr solle dem Schutz vor Angriffen aus dem Iran und Nordkorea dienen, sei „lächerlich“. Der Iran und Nordkorea verfügten dagegen über keine Raketensysteme, mit denen sie die USA bedrohen könnten.

Klaus bedauerte, dass er Putin nicht von der Notwendigkeit der Raketenabwehr habe überzeugen können. In Tschechien wollen die USA ein Radar für das System stationieren. Unter der Stationierung werde auch das russisch-tschechische Verhältnis leiden, kündigte Putin an. Dennoch wolle man weiter zusammenarbeiten. Sein Land übernehme „die moralische Verantwortung“ für die Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968 durch sowjetische Panzer. Russland verurteile die Ereignisse von damals, sagte Putin.

Der Kremlchef hatte am Vortag die amerikanischen Raketenpläne erneut scharf kritisiert und die Aussetzung des Vertrags über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) angekündigt.

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