Streit um Atomprogramm
El Baradei verliert Geduld mit Iran

Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed el Baradei, schließt im Atomstreit mit dem Iran die Anwendung von Gewalt nicht mehr aus.

HB GENF/BRÜSSEL/WASHINGTON. El Baradei sagte in einem Interview mit dem amerikanischen Magazin „Newsweek“: „Diplomatie ist nicht nur reden. Hinter Diplomatie muss Druck stehen und in extremen Fällen Gewalt.“ Auch unter US-Senatoren wird der Ruf nach einer härteren Gangart gegenüber Iran lauter.

Die Aussagen el Baradeis fielen schon vor dem Treffen der fünf ständigen Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats und Deutschlands in London. Die Delegationen berieten das weitere Vorgehen gegenüber Iran. Großbritannien, Frankreich und Deutschland (die EU-3) sowie die Amerikaner verdächtigen Iran, unter dem Deckmantel friedlicher Kernenergienutzung den Bau der Atombombe vorzubereiten. Die USA und die EU-3 wollen den Fall an den Uno-Sicherheitsrat überweisen; das oberste Uno-Gremium kann wirtschaftliche Sanktionen und die Anwendung von Gewalt gegen Iran beschließen. US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte die IAEA auf, möglichst schnell über eine Überweisung an den Sicherheitsrat abzustimmen. „Wir müssen Iran klar machen, dass es nicht straflos die Forderungen der internationalen Gemeinschaft beiseite schieben kann.“

Eine Sprecherin von EU-Chefdiplomat Javier Solana sagte in Brüssel, zunächst gehe es darum, den größtmöglichen internationalen Konsens herzustellen. Die EU strebe noch keine Uno-Sanktionen an, sondern wolle im Sicherheitsrat eine schärfere Kontrolle der iranischen Atomanlagen durch die IAEA fordern.

El Baradei äußerte die Befürchtung, dass Teheran in „wenigen Monaten“ Atomwaffen herstellen könnte. Seine Behörde sei selbst nach drei Jahren Inspektionen nicht in der Lage zu sagen, ob Irans Nuklearprogramm friedlich sei oder nicht. Er sei nicht bereit, die Iran gesetzte Frist zur vollen Kooperation, die am 6. März ausläuft, zu verlängern.

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