Streit um Atomprogramm
Iran will Urananreicherung unter französischer Kontrolle

Im Streit über das iranische Atomprogramm hat Teheran überraschend Frankreich um Hilfe gebeten. Die französische Regierung solle die umstrittene Urananreicherung im Iran überwachen, schlug der stellvertretende Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Mohammad Saidi, am Dienstag in einem Radiointerview vor.

HB TEHERAN/FRANKFURT. Dadurch könne das Uran auf iranischem Boden, aber zugleich unter französischer Aufsicht verarbeitet werden, sagte Saidi. EU-Chefdiplomat Javier Solana sprach von einem interessanten Vorschlag, der aber genauer geprüft werden müsse. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich deutlich zurückhaltender: „Es ist nicht das Signal, das wir brauchen, um die Tür zum Verhandlungsraum zu öffnen.“ Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland bereiten sich zurzeit laut britischen Regierungskreisen darauf vor, eine Resolution mit Sanktionen gegen den Iran in den UN-Sicherheitsrat einzubringen.

Saidi bezeichnete seinen Vorschlag als sowohl technisch wie auch rechtlich beste Lösung, um den Bedenken des Auslands über die Absichten des Iran mit seinem Atomprogramm zu begegnen. „So könnte Frankreich über Eurodif und Areva unsere Anreicherungsarbeiten in greifbarer Weise überwachen“, sagte er. Areva ist der staatliche französische Atomkonzern, der Europas größte Anreicherungsanlage Eurodif betreibt. Der Vorstoß erinnert an eine frühere Initiative Russlands, das angeboten hatte, die Anreicherung für den Iran außerhalb des Landes zu übernehmen. Die Regierung in Teheran lehnte dies allerdings ab.

Ein Areva-Sprecher sagte, dem Unternehmen sei kein derartiger Vorschlag bekannt. Gegebenenfalls würde es sich um ein politisches Projekt handeln, das von der EU oder in ihrem Auftrag ausgehandelt werden müsste.

Ein Sprecher des französischen Außenministeriums bekräftigte die westliche Forderung, dass der Iran die Atomanreicherung stoppen müsse. In dieser Frage herrsche Einigkeit unter den sechs an den Verhandlungen mit dem Iran beteiligten Staaten. Es gebe keine direkten Verhandlungen zwischen den Regierungen in Paris und Teheran, sagte er mit Verweis auf die Gespräche Solanas, der im Auftrag der UN-Vetomächte und Deutschlands die Chancen einer diplomatischen Lösung des Atomstreits auslotet.

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