Streit um belgische AKWs
Brüssel will Anlagen nicht abschalten

Die Bundesregierung hat die belgische Regierung darum gebeten, zwei umstrittene Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen. Grund sind nicht näher erklärbare Risse in einem Reaktorblock. Brüssel will davon aber nichts wissen.

Berlin/BrüsselBundesumweltministerin Barbara Hendricks hat Belgien aufgefordert, zwei Atomkraftwerke wegen Sicherheitsbedenken vorsorglich vom Netz zu nehmen. Bei den Reaktorblöcken Drei in Doel und Zwei in Tihange könnten Experten derzeit nicht garantieren, dass bei einem Störfall die Sicherheitsreserven eingehalten würden, erklärte die SPD-Politikerin am Mittwoch in Berlin. Zu dieser Einschätzung komme die deutsche Reaktorsicherheitskommission in einer Stellungnahme für das Ministerium. Es gebe den Experten zufolge aus heutiger Sicht aber auch „keine konkreten Hinweise, dass die Sicherheitsabstände aufgezehrt sind“.

Die beiden Reaktorblöcke sollten Hendricks zufolge vorübergehend vom Netz genommen werden, bis die offenen Sicherheitsfragen geklärt seien. In den Reaktordruckbehältern waren demnach Wasserstoffflocken gefunden worden. Wenn Belgien diesen Schritt mache, wäre das nach Hendricks Worten „ein starkes Zeichen der Vorsorge. Und er würde zeigen, dass Belgien die Sorgen seiner deutschen Nachbarn ernst nimmt“.

Die beiden Atomanlagen hatten auch im Zusammenhang mit den Anschlägen in Brüssel am 22. März Schlagzeilen gemacht. Sie waren damals aus Sicherheitsgründen teilweise geräumt worden. Tihange liegt knapp 60 Kilometer von Aachen entfernt, das Werk Goel befindet sich unweit der Hafenstadt Antwerpen.

Belgien will der Forderung der Bundesregierung vorerst nicht nachkommen, die umstrittenen Atomkraftwerke Doel vom Netz zu nehmen. „Wir bleiben bei unserer Auffassung, dass die Akw-Blöcke Doel 3 und Tihange 2 die höchsten Sicherheitsanforderungen erfüllen und es zurzeit keinen Grund gibt, unsere Auffassung zu ändern“, sagte der Generaldirektor der belgischen Bundesagentur für Atomsicherheit (AFCN), Jan Bens, am Mittwoch in Brüssel.

Die Äußerungen von Bundesumweltministerin Hendricks hätten die AFCN „überrascht“, wie es in einer schriftlichen Stellungnahme der Agentur heißt. Die Agentur verwies auf ein Treffen mit Vertretern des Bundesumweltministeriums und der deutschen Reaktor-Sicherheitskommission am 5. und 6. April in Brüssel. Bei diesen Gesprächen seien die deutschen Bedenken zwar angesprochen worden, hätten aber den AFCN Beschluss nicht in Frage stellen können, den Betrieb von Doel 3 und Tihange 2 wieder aufzunehmen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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