Streit um Bodenschätze
Arktis-Staaten einigen sich auf Nordpol-Erklärung

In der Arktis locken gigantische Bodenschätze unter dem Meeresgrund. Da überrascht es nicht, dass die fünf Anrainer der Nordpol-Region ihre Ansprüche schnell sichern wollen. Um einen Eklat zu verhindern, einigten sie sich jetzt auf die „Ilulissat-Erklärung“. Sie legt fest, wer über die Gebietsforderungen entscheiden darf.

HB KOPENHAGEN. Die fünf Arktis-Staaten haben sich auf die Beilegung ihres Territorial-Streits am Nordpol unter UN-Regie verpflichtet. Dänemarks Außenminister Per Stig Møller sagte am Donnerstag im Rundfunk zu diesem Ergebnis einer Regierungskonferenz im grönländischen Küstenort Ilulissat: „Damit kann sich wieder Frieden über den Nordpol senken.“ Unterzeichnerländer der Willenserklärung sind neben Dänemark auch die USA, Russland, Kanada und Norwegen.

Die fünf Anrainer der Nordpol-Region erheben vor allem wegen gigantischer Bodenschätze unter dem Meeresgrund Anspruch auf teilweise identische Gebiete. Einer US-Studie zufolge können unter dem Meeresboden 25 Prozent der bislang nicht entdeckten Öl- und Kohlevorkommen der Welt liegen. An der Konferenz nahmen die Außenminister von Dänemark, Norwegen, Russland und Kanada sowie der ein Vertreter des US-Außenministeriums teil.

Die betroffenen Staaten wollen ihren Streit um Gebietsansprüche nun unter Uno-Regie nach geltenden rechtlichen Normen lösen. Dass die Entscheidung über diese Ansprüche von der Uno-Seerechtskommission getroffen wird, erkannte bei der Konferenz auf Grönland erstmals auch die US-Regierung durch Vize- Außenminister John Negroponte offiziell an.

In einer „Ilulissat-Erklärung“ hieß es dazu: „Das internationale Seerecht regelt wichtige Rechte und Pflichten bei der Bestimmung von Grenzen durch Festlandsockel sowie beim Schutz der maritimen Umwelt einschließlich von Eis bedeckter Gebiete, sowie auch bei der freien Schifffahrt, Forschungsaktivitäten und anderer Nutzung des Meeres. Wir bleiben auf dieses geltende internationale Recht und auf die geordnete Regelung möglicherweise überlappender Gebietsforderungen verpflichtet.“

Im vergangenen Jahr hatte Russland die anderen arktischen Anrainer-Staaten mit der Platzierung einer russischen Flagge auf dem Meeresboden am Nordpol verärgert. Wegen des erwarteten Abschmelzens der Polkappen in Folge der Erderwärmung wird die Ausbeutung der in der Arktis liegenden riesigen Vorräte an Öl, Gas und Edelmetallen wirtschaftlich zunehmend interessant.

Umweltschützer kritisierten, dass die Anrainerstaaten die wirtschaftliche Nutzung der Polarregion gegenüber den akuten Umweltbedrohungen in den Vordergrund stellen. Der WWF erneuerte zum Abschluss der Konferenz auf Grönland seine Forderung nach neuen internationalen Regeln, um die Folgen des schon jetzt massiv spürbaren Klimawandels einzudämmen. „Wir haben nur noch wenig Zeit“, sagte WWF-Sprecher Neil Hamilton. Man müsse aufpassen, dass die fünf Anrainerländer nicht „das ganze Gebiet in ein einziges riesiges Bergwerk verwandeln“.

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