Streit um die Pressefreiheit

Chinesische Firmen fordern Zensur deutscher Medien

Chinesische Firmen haben eine ungewöhnliche Forderung an Kanzlerin Merkel. In einem Beitrag klagen sie über den „verantwortungslosen Fokus auf Menschenrechte“ in deutschen Medien – und setzen sich für Zensur ein.
10 Kommentare
Bundeskanzlerin Merkel fordert in China eigentlich mehr Zugang zu den deutsche Firmen. Quelle: dpa

Bundeskanzlerin Merkel fordert in China eigentlich mehr Zugang zu den deutsche Firmen.

(Foto: dpa)

PekingDer Mensch neigt dazu, von sich auf andere zu schließen. Wer in China aufgewachsen ist, hält es für normal, dass der Staat die Medien reguliert. Das Getue der westlichen Länder um die Pressefreiheit gilt tendenziell als Propaganda für das dortige System. China behauptet von sich selbst schließlich auch, Pressefreiheit zu haben. Dennoch diktiert die Propagandaabteilung in Peking den Inhalt der Berichte.

Das war wohl die Ausgangslage für einen Beitrag der chinesischen Wirtschaftsverbände zu einem gemeinsamen Positionspapier mit ihren deutschen Partnern. Die Forderungen sollten in Peking der deutschen Kanzlerin Angela Merkel während ihres Besuchs vorgetragen werden. „Ein Teil der deutschen Medien legt in verantwortungsloser Weise den Fokus ihrer Berichterstattung auf Menschenrechte und politische Fragen“ und schaffen so eine chinafeindliche Atmosphäre, beklagen sich die Firmenvertreter in dem Dokument. „Chinesische Unternehmen freuen sich darauf, dass die Bundesregierung eine wahrheitsgetreue und positive Darstellung Chinas fördert.“ So stand es noch in einer späten Arbeitsversion des Papiers.

Die Bundeskanzlerin auf China-Reise

Als der neue „Beratende Wirtschafsausschuss“ beider Länder dann am Montag tagte, hatten die deutschen Teilnehmer ihren Einfluss genutzt, um die Endversion deutlich abzuschwächen. Schließlich kann der Staat in Deutschland den Inhalt der Medien nicht vorgeben – das garantiert das Grundgesetz. 

Die neue Version nutzt die Worte der alten in besser verdaulicher Weise. „Eine Arbeitsgruppe der Regierungen und Unternehmen beider Länder soll ein gutes Image von China fördern“, heißt es da statt dessen. Statt dass die Regierung die „Darstellung chinesischer Firmen in Deutschland in objektiver und unvoreingenommener Weise“ durchsetzen soll, taucht derselbe Satz nur noch als Ziel der hypothetischen „Arbeitsgruppe“ auf. Nur wer die ältere Version kennt, ahnt, was für ein Gedanke dahintersteckt.

Merkel würde sich über die Forderung gewundert haben
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Streit um die Pressefreiheit - Chinesische Firmen fordern Zensur deutscher Medien

10 Kommentare zu "Streit um die Pressefreiheit: Chinesische Firmen fordern Zensur deutscher Medien"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Mit Verlaub, ich wage zu unterstellen, dass Sie noch nie in Nordkorea waen. Sonst würden Sie nicht so einen - Entschuldigung - Blödsinn schreiben.

  • China verbannt das Ramadan-Fest. Ein Modell für uns!

  • Und wie man Frau Merkel so kennt, wird dem Wunsch der Chiesen auch nachgebe,
    Frau Merkel hat es nicht so mit Demokratie

  • Wer die Berichterstattung verfolgt, hat dies schon lange festgestellt.

    Es war wohl noch nie so offensichtlich wie in der Amtszeit von Angela Merkel.

    Nicht, dass es dies vor ihr nicht gegeben hätte, zuvor war dies auch schon so. Wir erinnern uns an die Ära Schröder/Fischer und ihre Berichte über die vermeintlichen Giftgasanlagen im Irak.

    Sie hatten nie existiert und gaben letztlich den Anlass für den letzten Irakkrieg. Gleichzeitig betonte Schröder in den Medien, dass Deutschland sich an diesem Krieg nicht beteilige.

    Deutschland hat schon lange den Pfad der Tugend verlassen und man muss zum Lob der Medien dennoch ergänzend feststellen, dass wes ohne sie die Freilassung Mollaths nicht gegeben hätte. Die Justizbehörden sind demzufolge noch schlimmer als die zuvor gerügten Medien.

    Aus diesem Blickwinkel gab es seitens China überhaupt nicht nötig Deutschland oder umgekehrt zu rügen.

  • ...unsere Presse ist frei - nur ergibt sie sich auch Abhängigkeiten! Das gehört auch zur Freiheit! Beim Lesen muß man es auch berücksichtigen.

  • Ich gehe davon aus, daß Frau Merkel und die Abnicker hier bereits hilfreich waren, ohne daß die Chinesen das gemerkt haben.

  • Einerseits sollten wir nicht zu überheblich sein: Auch bei uns wurde noch vor wenigen Jahrzehnten ziemlich viel unter den Teppich gekehrt. Etwas Selbstkritik klingt ja auch im Artikel an.

    Auf der anderen Seite kenne ich die Arroganz der Journalisten nur zu gut wenn sie glauben, sie könnten über alles schreiben.

    Käme ein Zeitungsjournalist auf mich zu, er wolle etwas über ein (ziemlich technisches) Hobby von mir schreiben, stellte ich ihn vor die Alternative: Entweder wir schreiben den Artikel gemeinsam, mit Vetorecht von meiner Seite. Oder er erfährt von mir kein Wort, denn alleine schriebe er garantiert nur hanebüchenen Blödsinn. Dann besser nichts schreiben.

    Die unfreiwillige Realsatire der eingestellten Financial Times Deutschland habe ich damals lustvoll aufgearbeitet: http://www.techwriter.de/thema/financia.htm

  • Wie kann man nur auf die Schnaps-Idee kommen, dass wir eine freie Presse haben??

  • Völlig unverständlich diese angebliche Forderung einiger Chinesen. Als Deutscher kommt man sich inzwischen vor wie ein Nordkoreaner. Überall nur offensichtliche Propaganda der USA. Objektiver Journalismus wird in D zensiert. Immerhin müssen die Chinesen nicht für deren Medien per Zwangsgebühren aufkommen. Der deutsche Michel merkt nicht einmal das!!!!

  • Es sind doch alle Medien zensiert !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%