Streit um Energieprojekt
Japaner besorgt über Sachalin

Zwischen Russland und Japan herrscht politisch oft ein frostiges Klima, wirtschaftlich werden die beiden Länder aber langsam warm miteinander. Doch nun weckt der Streit um das Energieprojekt Sachalin-2 in Japan Befürchtungen vor einer weiteren Verschlechterung der Beziehungen.

TOKIO. Der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell und die beiden japanischen Firmen Mitsui und Mitsubishi planen auf der Insel Sachalin vor Russlands Ostküste eine Anlage zur Erzeugung von verflüssigtem Erdgas. Die russische Regierung hatte dem Konsortium die umweltrechtliche Genehmigung entzogen und eine Überprüfung des Projekts eingeleitet, die bis zum 20. Oktober dauern soll. Dann soll entschieden werden, ob die Arbeiten auf Sachalin gestoppt werden müssen. „Wenn sich das Projekt verspätet, verlieren alle“, warnt Energieexperte Reiji Takeishi vom Fujitsu-Forschungsinstitut.

Mitsui hält 25 Prozent, Mitsubishi 20 Prozent am Konsortium Sachalin Energy. Damit sind zwei japanische Großfirmen so stark in Russland engagiert wie nie zuvor. Wirtschaftsverbände und der japanische Botschafter in Russland, Yasuo Saito, warnen, dass das zarte Pflänzchen „Russlandeuphorie“, das in Japan gerade zu sprießen beginnt, schnell wieder absterben könnte, sollten die Probleme bei Sachalin-2 anhalten. „Ich denke, viele Unternehmen sorgen sich“, sagt Koji Karatsu, Direktor der Russland- und Weißrusslandabteilung der Außenhandelsorganisation Jetro.

Die eher risikoscheuen japanischen Unternehmen haben den russischen Markt später für sich entdeckt als ihre Wettbewerber aus Europa oder Südkorea. Seit ein, zwei Jahren seien sie aber richtig aktiv geworden, meint Karatsu. So stiegen die Exporte aus Japan nach Russland von 2004 auf 2005 um 44 Prozent – allerdings auf das noch überschaubare Niveau von knapp 4,5 Mrd. Dollar. Autobauer wie Toyota und Nissan bauen ihre erste Fabriken in Russland. Der Anlagenbauer Kawasaki Heavy oder die Investmentbank Nomura Securities eröffnen im nächsten Jahr erste Büros. Niedrige Lohnkosten und der steigende Konsum machen Russland als Standort oder Markt für japanische Firmen attraktiv.

Doch der Sachalin-Streit schade Russlands Image, sagt Karatsu: Das könnte kleineren Unternehmen den Mut nehmen, sich nach Russland vorzuwagen. Bisher sind dort fast nur Großunternehmen präsent.

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