Streit um EU-Jobs
Frankreich und Großbritannien im Clinch

Die Debatte um die Besetzung der EU-Spitzenjobs belastet die Beziehungen zwischen Frankreich und Großbritannien. Bis zuletzt stemmte sich Großbritanniens Ministerpräsident Gordon Brown gegen Ex-Außenminister Michel Barnier als Binnenmarkt-Kommissar. Das Ressort ist derzeit eines der wichtigsten, denn in diesen Bereich fallen die laufenden Reformen der Finanzmarktaufsicht.
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HB LONDON/BRÜSSEL. Wenn sich die EU-Staats- und Regierungschefs an diesem Donnerstag zum Winter-Gipfel treffen, dürften alle Augen auf Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy und dem britischen Premierminister Gordon Brown ruhen. Es sei nicht auszuschließen, dass sich die beiden Staatsmänner zum Tête-à-Tête zurückziehen, orakeln Diplomaten. Denn die jüngste Besetzung der neuen EU-Kommissarsposten hat auf der Insel einen Sturm der Entrüstung entfacht und Sarkozy in Triumphgeheul hat ausbrechen lassen. Die Beziehungen seien auf einem Tiefpunkt, kommentiert die französische Tageszeitung „Le Parisien“.

Bis zuletzt hatte Brown versucht zu verhindern, dass der profilierte französische Ex-Außenminister Michel Barnier Binnenmarkt-Kommissar wird. Denn in dieses Ressort fallen die laufenden Reformen der Finanzmarktaufsicht. Großbritannien beherbergt Europas größten Finanzplatz, gleichzeitig ist die Londoner City das Herz der britischen Wirtschaft. Und so freuten sich nur wenige Briten, dass ihr Land mit Catherine Ashton als neuer EU-„Außenministerin“ einen Spitzenposten besetzt hat. Spätestens seit Sarkozy die Briten in der Sache als „große Verlierer“ bezeichnet hat, herrscht Aufruhr auf der Insel.

So brach sich nach der Bekanntgabe der Ressortverteilung in Europas mächtigster Behörde die tiefe Skepsis Bahn, die die Briten traditionell der EU und der interventionistischen französischen Wirtschaftspolitik entgegen bringen. Speziell die französischen Vorstellungen der Finanzwelt entsprachen noch nie dem liberaleren angelsächsischen Modell. So hatte sich Sarkozy - genauso wie Deutschland - für eine stärkere Regulierung von Hedge Fonds und Banken sowie für eine drastischere Beschneidung exzessiver Boni eingesetzt. In London dagegen herrschten laxe Regeln, die der City erst einen Boom und dann den Absturz bescherten.

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