Streit um Gesundheitsreform
Kronzeugin für Obamas Gegner

Im eigenen Land bläst US-Präsident Barack Obama wegen seiner Gesundheitsreform der Wind schon kräftig genug ins Gesicht. Doch nun erhalten die Gegner des Jahrhundertprojekts auch noch Unterstützung aus dem Nachbarland: Eine 45-jährige Kanadierin tritt als Kronzeugin gegen ein staatliches Gesundheitswesen auf.

OTTAWA. In Anzeigen und Spots einer konservativen Lobbygruppe in den USA zieht Shona Holmes aus Waterdown, einem Städtchen zwischen Toronto und Hamilton, gegen Kanadas Gesundheitswesen und für das private US-System zu Felde – und belastet so vor dem Amerika-Gipfel am Wochenende das Verhältnis zwischen den beiden Nafta-Partnern. „Wenn ich für medizinische Versorgung auf meine Regierung angewiesen gewesen wäre, wäre ich tot“, sagt Holmes in einem TV-Spot. Wegen eines Gehirntumors sei sie in die USA gereist, weil sie in Kanada sechs Monate auf einen Spezialisten hätte warten müssen. Kanadas Gesundheitssystem verweigerte oder verzögerte die Behandlung. Und nun, warnt der Werbefilm, wolle auch die US-Regierung das verfehlte System einführen. Im Juli trat Holmes dann auch noch auf einer Pressekonferenz der US-Republikaner zum Thema auf.

Weil Kanada besonders stolz auf seine steuerfinanzierte medizinische Versorgung ist, hat sich Holmes in ihrer Heimat viele Feinde gemacht. „Es gab Morddrohungen“, sagt sie. Als Lügnerin und Verräterin wird sie gescholten. Sie solle doch in die USA ziehen, wenn es ihr dort besser gefalle. Holmes war zweimal in die Mayo-Klinik nach Scottsdale in Arizona gereist, nachdem bei ihr Sehstörungen aufgetreten waren. 97 000 US-Dollar kosteten Reise und Behandlung des Tumors, die sie durch eine Hypothek auf ihr Haus aufbrachte.

Die Kanadier bestreiten nicht, dass ihr Gesundheitswesen erhebliche Mängel hat. Ärztemangel, Wartezeiten bis zum Beginn einer Behandlung und überfüllte Notaufnahmen nerven sie. Erst jüngst zeigte ein Bericht mehrerer Ärzteverbände, dass die Milliardeninvestitionen in das Gesundheitssystem die teils monatelangen Wartezeiten für Operationen kaum reduziert haben.

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