Streit um Schulpolitik
Tory-Chef will verkrustete Strukturen aufbrechen

Eigentlich wollte der Chef der britischen Konservativen, David Cameron, auf Tauchstation gehen, solange in Großbritannien alle Augen auf die Machtübergabe bei Labour gerichtet sind. Doch nebenbei brach er einen Streit um die Schulpolitik vom Zaun, der die Tory-Partei in ihren Grundfesten erschüttert. Jetzt geht es um die Seele der Partei.

LONDON. Während der neue Labour-Chef Gordon Brown steif lächelnd durch die Lande zieht, verbrachte der gewandte Cameron zwei Tage als Gast einer pakistanischen Moslemfamilie in Birmingham und bloggte aus dem Reihenhaus. In einer Gesamtschule in Hull unterrichtete der Eton-Absolvent ein paar Tage als Hilfslehrer englische Geschichte.

Doch nebenbei brach er einen Streit vom Zaun, der die Tory-Partei in ihren Grundfesten erschüttert. In jeder anderen Partei Europas hätte die Entscheidung, sich vom Schultyp des Gymnasiums mit Aufnahmeprüfung endgültig abzuwenden, kaum Aufsehen erregt. Bei den Tories tobt nun schon seit zehn Tagen „Grammargate“. Es geht um die Seele der Partei. Mitglieder von Camerons Führungsmannschaft seien „zutiefst unglücklich“, wurde berichtet. Sein Vorgänger Michael Howard, der noch mit dem Slogan „ein Gymnasium in jeder Stadt“ Wahlkampf machte, habe nur mit Mühe von der offenen Attacke abgehalten werden können.

Steinreiche Parteispender machen laut der „Daily Mail“ lautstark ihrem Unmut Luft. Darunter sei Stuart Wheeler, dessen Spende über fünf Mill. Pfund vor der letzten Wahl die Parteikasse füllte. Früher schon unterstützte der Multimillionär aus dem Wettgeschäft die nationalistische UK Independence Party (Ukip), wenn ihm der Tory-Kurs nicht passte.

Als Tory-Bildungspolitiker David Willetts dann auch noch den von Blair favorisierten Schultyp halbprivater „City Academies“ absegnete, der in der Labourpartei umstritten ist, platzte der Tory-Rechten der Kragen: „Meine Partei formiert sich neu, um New-Labour-Politik effektiver umzusetzen als Labour selbst“, schimpfte Margaret Thatchers Kampfgefährte Norman Tebbit.

Cameron schürte den Streit: „Ich führe die Partei“, erklärte er und bezeichnete den Ruf nach den alten Schulen provokativ als „Halluzination“. Jeder wisse, dass Gammarschools den Menschen im ganzen Land verhasst seien. Aus diesem Grund hätten die Tories selbst in einer ganzen Generation keine einzige neu gebaut.

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