Streit um Tankflugzeuge
US-Abgeordnete wollen Auftrag für EADS kippen

Auch Tage nach der Ankündigung des Pentagon, einen großen Rüstungsauftrag an ein Konsortium unter Beteiligung des europäischen Luft-und Raumfahrtkonzerns EADS zu vergeben, ebbt die Aufregung darüber nicht ab. In einer Sitzung des Bewilligungskomitees des US-Repräsentantenhauses drohten Abgeordnete damit, den Vertrag zu Fall zu bringen.

WASHINGTON. Das US-Verteidigungsministerium müsse ausreichend darlegen, warum es den Auftrag im Volumen von 35 Mrd. Dollar nicht an den US-Flugzeughersteller Boeing vergeben habe.

Pentagonchef Robert Gates verteidigte die Entscheidung, 179 Tankflugzeuge für die Air Force in Europa zu kaufen. Sie sei fair und anhand nachvollziehbarer Kriterien gefallen. Zugleich lehnte er Spekulationen darüber ab, welche Auswirkungen ein Eingreifen des US-Kongresses auf die Beziehungen zu den europäischen Partnern haben könnte. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, forderte eine Kongress-Untersuchung.

John Murtha, demokratischer Abgeordneter aus Pennsylvania und Vorsitzender des Bewilligungsausschusses, sagte, dass sein Komitee die notwendigen Gelder sperren könnte: "Wir wollen sicherstellen, dass jeder fair behandelt wird", sagte Murtha zu Vertretern der US-Luftwaffe. Deren Vertreterin Sue C. Payton erklärte, das Ausschreibungsverfahren sei offen und transparent gewesen.

Im Ergebnis werde ein Auftrag vergeben, der sehr zum Vorteil für den US-Steuerzahler sei. Wie aus anderen Quellen verlautete, war Boeing offensichtlich nicht in der Lage, auch nur in einer einzigen der fünf Bewertungskategorien EADS und seinen Konsortialpartner Northrop Grumman zu schlagen.

Die Demokraten nutzten die Debatte sogleich zu einer Attacke gegen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain. Der hatte in der Vergangenheit schon einmal einen ähnlichen Auftrag über Tankflugzeuge für die Luftwaffe an Boeing verhindert, weil er das Angebot des US-Herstellers als überteuert empfand.

"Nachdem wir dem Irak Schulen und Brücken finanzieren, die wir dem eigenen Land verweigern, stellen wir nun sicher, dass Frankreich jene Jobs bekommt, die wir bisher hatten", polemisierte der demokratische Fraktionschef im Repräsentantenhaus, Rahm Emanuel. "Wir schicken die Jobs nach Übersee, nur weil John McCain das so will."

Bei dem Auftrag geht es darum, die zum Teil noch aus den 50er-Jahren stammende US-Luftbetankungsflotte zu ersetzen. Der Gesamtumfang könnte sich auf bis zu 100 Mrd. Dollar addieren, wenn am Ende tatsächlich rund 400 Tankflugzeuge bei EADS/Northrop Grumman bestellt werden sollten. In Alabama und Mississippi, wo die Flugzeuge montiert werden sollen, wurde die Entscheidung enthusiastisch begrüßt. Dort rechnet man mit tausenden zusätzlichen Arbeitsplätzen. Heute will das Pentagon Boeing umfassend über die Auftragsvergabe informieren.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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