Streit um Wahlergebnis
Proteste stürzen Mexiko-Stadt in Verkehrschaos

Mexiko kommt nicht zur Ruhe: Anhänger des bei der Präsidentenwahl unterlegenen Linkskandidaten haben den Verkehr im Finanzviertel der Hauptstadt zum Erliegen gebracht. Ziel der Proteste: eine vollständige Neuauszählung des umstrittenen Wahlergebnisses.

HB MEXIKO-STADT. Während des morgendlichen Berufsverkehrs blockierten tausende Demonstranten eine Hauptverkehrsstraße in Mexiko-Stadt, an der unter anderem die mexikanische Börse, mehrere Regierungsstellen sowie große Konzerne ihren Sitz haben. Linkskandidat Andres Manuel Lopez Obrador kündigte an, seine Unterstützer würden nicht weichen, bis das Bundeswahlgericht eine vollständige Neuauszählung des umstrittenen Wahlergebnisses vom 2. Juli anordnen werde.

Zu der Blockade hatte der vor allem bei der armen Bevölkerung geschätzte Lopez Obrador am Vortag nach der dritten Massendemonstration innerhalb von drei Wochen aufgerufen. Lopez Obrador und seine Anhänger werfen den Behörden Betrug bei der Abstimmung vor, die er nach offiziellen Angaben mit einem Rückstand von nur 244 000 Stimmen oder weniger als 0,6 Prozentpunkten gegen den Rechtskonservativen Felipe Calderon von der Regierungspartei PAN verloren hatte.

Die von Lopez Obrador initiierte Kampagne des zivilen Ungehorsams hat die politische Krise im wirtschaftsstärksten Land Lateinamerikas vertieft. Der Streit um den äußerst knappen Wahlausgang wirkt sich dabei zunehmend auf die Wirtschaft aus. So gab der mexikanische Peso am Montag zum Dollar nach.

Bereits in der Nacht hatten Demonstranten auf dem zentralen Platz Zocalo ihre Zelte aufgeschlagen. „Sie wollten uns die Wahl klauen, aber wir geben nicht nach“, sagte eine Anhängerin von Lopez Obrador, die mit ihrer Tochter zur Musik einer Salsa-Band tanzte. Viele Menschen campierten in Zelten und unter Planen. Die Straßenblockade auf dem Reforma-Boulevard, an dem auch die US-Botschaft und viele Nobel-Hotels liegen, erstreckte sich über zehn Kilometer. Die Demonstranten hinderten die Menschen zwar nicht am Betreten der Börse und der Büros. Allerdings kamen viele Angestellte und Geschäftsleute mit großer Verspätung an ihrem Arbeitsplatz an.

Einige Bewohner der Hauptstadt waren wegen der Proteste außer sich: „Ich musste ein Frühstück absagen, bei dem ich einen Vertrag über eine Million Pesos (rund 72.000 Euro) abschließen wollte“, sagte ein Versicherungsmakler. „Glauben Sie, dass ich glücklich darüber bin und diese Bastarde unterstütze?“ Dass die Stadtpolizei gegen die Demonstranten vorgehen wird, gilt als unwahrscheinlich, weil sie von der Partei Lopez Obradors kontrolliert wird. Er war Bürgermeister von Mexiko-Stadt, bis er 2005 wegen seiner Kandidatur für das Präsidentenamt zurücktrat.

Der gemäßigte Linkskandidat hatte sich vor wenigen Tagen zum rechtmäßigen Sieger der Wahl erklärt. Nach seiner Darstellung gab es bei der Auszählung in mehr als der Hälfte der Wahllokale erhebliche Unregelmäßigkeiten. Der offizielle Wahlsieger Calderon bekräftigte, das Ergebnis sei nicht zu beanstanden, weil die Abstimmung korrekt abgelaufen sei.

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