Streit um Zahlungsrückstände
Gazprom dreht Ukraine den Gashahn zu

Der russische Staatskonzern Gazprom hat der Ukraine am Montag den Gashahn zugedreht. Das Unternehmen verlangt rund 400 Millionen Euro ausstehender Zahlungen.

HB MOSKAU. Weil die Ukraine seine Zahlungsrückstände nicht beglichen habe, wurden die Lieferungen nach Angaben des ukrainischen Gasversorgers Naftogas um 35 Prozent gekürzt. Das seien insgesamt 46 Millionen Kubikmeter Gas weniger am Tag. Die Lieferungen nach Westeuropa sind nach Angaben Gazproms davon nicht betroffen.

Gazprom-Sprecher Sergej Kuprjanow betonte, es handele sich um eine rein wirtschaftliche Entscheidung. „Gazprom ist ein zuverlässiger Energielieferant, wir können und wollen aber nicht ohne Bezahlung liefern“, sagte er. Gazprom verlangt von der Ukraine rund 400 Millionen Euro ausstehender Zahlungen. Man sei weiter zu Verhandlungen über einen neuen Vertrag mit der Ukraine bereit, hieß es in Moskau.

In der Ukraine wurde die Nachricht gelassen aufgenommen. Man wolle „bis zum Wochenende“ zu Verhandlungen nach Moskau reisen, teilte der staatliche Energieversorger Naftogas in Kiew mit. Die prowestliche Regierungschefin Julia Timoschenko hatte noch am Sonntag gesagt, ihr Land habe alle Schulden bei Gazprom beglichen. Umstritten war zuletzt auch das Engagement von Zwischenhändlern im russisch-ukrainischen Gasgeschäft.

Bei dem Gas-Streit zwischen beiden Ländern vor zwei Jahren war es auch bei den Endkunden in der EU vorübergehend zu Engpässen gekommen. Damals warf Gazprom den Ukrainern vor, illegal Gas abzuzapfen. Etwa 80 Prozent der russischen Gaslieferungen an die Europäische Union laufen derzeit durch die Ukraine.

In Moskau wurde der Schritt auch als Signal gesehen, dass der neugewählte Präsident Dmitri Medwedjew den harten Kurs seines am 7. Mai scheidenden Vorgängers Wladimir Putins nach innen wie außen fortsetzen wird.

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