Streit verschärft sich
Nordkorea weist Uno-Atominspektoren aus

Im Streit um die Verurteilung eines nordkoreanischen Raketentests durch den Weltsicherheitsrat setzt Pjöngjang auf Eskalation: Alle Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde müssen das Land verlassen. Auch darüber hinaus üben sich die Nordkoreaner im Säbelrasseln.

HB SEOUL/NEW YORK/WIEN. Aus Protest gegen die Kritik des Weltsicherheitsrats an seinem Raketentest ist Nordkorea aus den internationalen Gesprächen über sein Atomwaffenprogramm ausgestiegen. Zugleich erklärte das kommunistische Land am Dienstag die Zusammenarbeit mit der internationalen Atomenergiebehörde IAEA für beendet und forderte alle IAEA-Inspekteure zur Ausreise auf. Die US- Regierung mahnte die Führung in Pjöngjang, „provokative Drohungen“ einzustellen. Nordkorea isoliere sich mit seiner Politik immer weiter, betonte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs. Der Ausstieg aus den internationalen Gesprächen sei ein „ernster Schritt“ in die falsche Richtung.

Zuvor hatte das nordkoreanische Außenministerium zu den sogenannten Sechs-Länder-Gesprächen über sein Atomprogramm erklärt: „Wir werden niemals mehr an diesen Gesprächen teilnehmen.“ Zugleich drohte das kommunistische Land, seine atomare Abschreckung ausbauen und bereits stillgelegte Nuklearanlagen zur Produktion von kernwaffentauglichem Material im Atomzentrum Yongbyon wiederherstellen zu wollen.

Die Reaktion Pjöngjangs auf den UN-Tadel stieß weltweit auf Unverständnis und Kritik. China forderte, den Verhandlungsprozess fortzusetzen und Ruhe zu bewahren. Russlands Außenminister Sergej Lawrow rief alle Seiten „ungeachtet der in einer solchen Situation unausweichlichen Emotionen“ auf, möglichst rasch an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

In der Verurteilung des Weltsicherheitsrates der Vereinten Nationen wird der umstrittene Start einer nordkoreanischen Rakete mit größerer Reichweite vom 5. April einmütig verurteilt. Nordkorea wird zum Verzicht auf weitere Tests aufgerufen. Zugleich kündigte das höchste UN-Gremium am Montag in New York an, die bereits im Jahr 2006 verhängten Sanktionen gegen Nordkorea zu konkretisieren. Nach Angaben Pjöngjangs hatte es sich um einen Satellitenstart gehandelt.

Der Sicherheitsrat verabschiedete seine Kritik allerdings nicht in der schärferen Form einer Resolution, wie sie die USA und Japan gefordert hatten. Letzteres scheiterte nach langem Ringen am Widerstand Russlands und Chinas. Nordkorea hatte bereits vor dem Raketenstart mit dem sofortigen Ausstieg aus den Atomgesprächen gedroht, sollte der Sicherheitsrat auch nur bloße Kritik an seinem „friedlichen Satellitenstart“ üben. An den seit 2003 laufenden Sechser-Gesprächen nehmen neben Nord- und Südkorea auch die USA, China, Japan und Russland teil.

Das nordkoreanische Außenministerium warf dem Sicherheitsrat vor, „willkürlich die Souveränität der Volksrepublik“ verletzt zu haben. Auch die Sechser-Gespräche sollten nur dazu dienen, dass Nordkorea sich selbst entwaffne und das System gestürzt werden solle. Das Land werde nunmehr „seine atomare Abschreckung für die Selbstverteidigung in jeder Weise ausbauen“, hieß es. Auch kündigte das verarmte, aber hochgerüstete Land an, verbrauchte Kernbrennstäbe wieder aufarbeiten sowie aus eigener Kraft einen Leichtwasser-Reaktor bauen zu wollen.

Nach Meinung von Beobachtern könnte Nordkorea mit seinen jüngsten Drohungen die USA zu bilateralen Gesprächen zwingen wollen. Experten schätzen, dass Nordkorea seine Wiederaufbereitungsanlage in Yongbyon innerhalb weniger Monate erneut in Betrieb nehmen könnte. In der Anlage entsteht beim Aufbereitungsprozess Plutonium, das zum Bau von Atomwaffen verwendet werden kann.

Nach Angaben von IAEA-Sprecher Marc Vidricaire halten sich zurzeit Mitarbeiter der Organisation in dem Land auf, um den ursprünglich von Nordkorea zugesagten Abbau seiner atomaren Anlagen zu überwachen. Die IAEA sei aufgefordert worden, vor der Abreise ihrer Inspektoren alle Überwachungsanlagen in der Atomanlage von Yongbyon abzubauen, sagte Vidricaire am Dienstagabend in Wien.

Nordkorea hatte wesentliche Teile seiner Atomanlagen im Rahmen eines 2007 bei den Sechser-Gesprächen erzielten Abkommens unbrauchbar gemacht. Im Gegenzug erhielt das Land Heizöl-Lieferungen und andere Hilfen. Im vergangenen Dezember hatten sich die Atomverhandlungen aber wegen der strittigen Frage der Überprüfung der nordkoreanischen Nuklearaktivitäten wieder festgefahren.

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