Streit zwischen Russland und Georgien
„Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht“

Wieder einmal eskaliert ein Streit zwischen Russland und einer der ehemaligen Sowjetrepubliken. Mit Schikanen und Embargos schürt der Kreml ein Klima der Angst unter Georgiern in Russland – weil ihm der prowestliche Kurs Georgiens nicht passt. Eine Handelsblatt-Reportage.

MOSKAU. Mama Zoya steckt sich noch eine Zigarette an. „Die Politiker streiten, das Volk leidet“, sagt die Georgierin ärgerlich, und ihre Goldzähne blitzen auf. Die kleine Siebzigjährige mit den streng aufgetürmten pechschwarzen Haaren geht im Hof vor einem ihrer Restaurants auf und ab.

Redet Mama Zoya, dann schweigen ihre Mitarbeiter, die drum herumstehen. Mama Zoya ist eine Institution in Moskau – und ihre Stimmung ist derzeit bestenfalls verdrießlich.

Mit der Stadt Moskau hadert sie, weil die Behörden ihrem größten Restaurant – einem Hausboot auf der Moskwa – vor drei Wochen das Wasser abgedreht haben. Bürgermeister Juri Luschkow sind schwimmende Restaurants ein Dorn im Auge. Und dann kam gestern noch die Miliz, hat alles kontrolliert: Pässe, ihre Angestellten, Genehmigungen. „Ich habe einen ganzen Stapel von Dokumenten, dass bei mir alles in Ordnung ist“, schimpft Mama Zoya.

Am Ende sind die Beamten abgezogen, das zweite Restaurant darf weitermachen – bis auf weiteres.

Mama Zoya ist nur eine von Tausenden Georgiern in Russland, die jüngst offiziellen Besuch bekamen. Im Konflikt mit dem Nachbarland im Kaukasus greifen die russischen Behörden zu einem perfiden Mittel, um die Regierung in Tiflis unter Druck zu setzen: Sie knöpfen sich die große georgischstämmige Gemeinde in Russland vor. Jeden Tag besucht die Miliz nun Restaurants, Büros und Kasinos, klappert die Märkte ab. Tauchen auch nur die kleinsten Unstimmigkeiten auf, müssen die Betroffenen ihr Geschäft schließen. Manchen droht gar die Ausweisung. 143 Georgier ließ Russland am Wochenende nach Georgien ausfliegen, weil sie keine Aufenthaltsgenehmigung gehabt haben sollen.

Wieder einmal eskaliert ein Streit zwischen Russland und einer der ehemaligen Sowjetrepubliken. In Moskau flimmern Bilder von den Kasinorazzien über den TV-Schirm. Das bekannte „Kristall“ hat es erwischt. Angeblich verkehren in den Spielhöllen georgische Mafiosi. Komisch, unken sie in der georgischen Gemeinde, dass die Polizei immer dann auf die Mafiaverbindungen stoße, wenn es außenpolitisch kracht.

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