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Streit zwischen USA und Iran: Teheran will Langstreckenraketen testen

Der Konflikt um eine mögliche Blockade der Meerenge am Persischen Golf spitzt sich immer weiter zu. Nach Drohungen der USA gegen den Iran kündigt Teheran jetzt Raketentests an.

Archivbild des amerikanischen Flugzeugträgers USS John C. Stennis: Das Kriegsschiff passierte nach Angaben des Pentagon die Straße von Hormus. Quelle: AFP
Archivbild des amerikanischen Flugzeugträgers USS John C. Stennis: Das Kriegsschiff passierte nach Angaben des Pentagon die Straße von Hormus. Quelle: AFP

Paris/Washington/TeheranDer Streit zwischen den USA und dem Iran wegen einer von Teheran angekündigten Blockade der für Öltransporte wichtigen Seestraße von Hormus verschärft sich immer mehr. Neueste Eskalationsstufe im verbalen Schlagabtausch: Der Iran hat ein Manöver mit Raketen in dem strategisch wichtigen Seegebiet angekündigt. „Samstagmorgen wird die iranische Marine einige ihrer Langstreckenraketen im Persischen Golf testen“, sagte der stellvertretende Befehlshaber der Marine, Admiral Mahmud Mussavi, der Nachrichtenagentur Fars. Die Tests gehörten zu dem großangelegten Manöver der iranische Streitkräfte in dem Seegebiet. Sie hätten am vergangenen Wochenende begonnen. Ziel sei es, die Marine auf eine kriegsähnliche Situation vorzubereiten, sagte Mussavi. Durch die Straße von Hormus befördern Tanker bis zu 40 Prozent des weltweit auf Schiffen transportierten Öls - unter anderem nach Westeuropa und in die USA.

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Bereits am Donnerstag hatte die iranische Nachrichtenagentur IRNA gemeldet, ein iranisches Aufklärungsflugzeug habe während einer Marineübung Videos und Fotos von einem US-Flugzeugträger gemacht.

Der Bericht enthielt keine Details, es blieb auch offen, welche Informationen der Iran aus solchem Bildmaterial ziehen könnte. Das „Wall Street Journal“ wertet die Meldung als Indikator dafür, dass der Iran seiner Marine in diesen Gewässern eine wichtige Rolle zukommen lassen will.

Teheran sei entschlossen, seine „vitalen Interessen zu verteidigen“, drohte der Vizechef der iranischen Revolutionsgarden, Hassan Salami, am Donnerstag. Die USA warnten, eine Schließung des Seewegs „nicht zu tolerieren“, und ließen offenbar einen Flugzeugträger in die Region einfahren.

Iranische Drohgebärde Warum eine Eskalation der Krise allen schadet

Der Iran droht mit einer Blockade von Öltransporten im Persischen Golf. Die US-Marine reagiert prompt. Säbelrasseln oder echte Drohung? Eine Eskalation der Krise hätte weitreichende politische Folgen.

Iranische Drohgebärde: Warum eine Eskalation der Krise allen schadet

Sein Land werde „auf Bedrohungen mit Bedrohungen antworten“, sagte General Salami nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Fars. Er hoffe zwar nicht, dass der Iran sich verteidigen müsse. „Wir werden aber mit der größten Entschlossenheit handeln“, sagte Salami.

Trotz Warnungen aus den USA droht der Iran weiterhin mit einer Blockade von Öltransporten im Persischen Golf. Die Vereinigten Staaten seien nicht in der Position, dem Land vorzuschreiben, was es in der strategisch bedeutenden Meerenge von Hormus zu tun oder zu lassen habe, so der General.

Das angespannte Verhältnis zwischen USA und Iran

  • 1979

    Nach der Vertreibung des US-Verbündeten Schah Mohammed Reza Pahlavi ruft Ajatollah Khomeini die Islamische Republik Iran aus. Am 4. November besetzen Studenten die US-Botschaft in Teheran, nehmen 52 Amerikaner als Geiseln und fordern die Auslieferung des Schahs. Als Reaktion verhängt Washington Sanktionen gegen den Iran.

  • 1980

    Die Geiselnahme endet nach 444 Tagen. Ein Militäreinsatz zur Befreiung der Amerikaner war gescheitert. Im September greift Iran den Irak an. Im achtjährigen Golfkrieg beliefern die USA beide Länder mit Waffen und schlagen sich schließlich auf die Seite des Iraks.

  • 1984

    Nach Terroranschlägen auf US-Soldaten und die Botschaft im Libanon erklärt US-Präsident Ronald Reagan Irans Regime zum „Sponsor des internationalen Terrorismus“ und verschärft die Sanktionen.

  • 1985-1986

    In Geheimgesprächen verspricht Washington Teheran Waffenlieferungen, im Gegenzug sollen amerikanische Geiseln im Libanon befreit werden. Mit den Gewinnen finanzieren die USA Rebellen in Nicaragua. Der Iran-Contra-Skandal bringt die US-Regierung in Bedrängnis.

  • 1988

    Ein US-Kriegsschiff schießt einen iranischen Airbus über dem Golf ab, alle 290 Passagiere sterben.

  • 1995

    Wegen angeblicher Terrorunterstützung und dem Streben nach Massenvernichtungswaffen verhängt US-Präsident Bill Clinton ein umfassendes Handelsembargo gegen den Iran.

  • 2001

    Washington beschuldigt Teheran, direkt in einen Anschlag auf US-Soldaten in Saudi-Arabien verwickelt zu sein. Der US-Geheimdienst CIA bezichtigt den Iran, ein Atomwaffenprogramm zu verfolgen.

  • 2002

    Präsident George W. Bush bezeichnet den Iran, den Irak und Nordkorea als „Achse des Bösen“. Washington würde nicht tatenlos zusehen, wenn diese Länder versuchten, die USA mit Massenvernichtungswaffen zu bedrohen.

  • 2004

    Auf Drängen der EU verzichtet der Iran auf sein Programm zur Urananreicherung. Die USA bleiben misstrauisch.

  • 2005

    Die USA beschuldigen Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, Kopf der Geiselnahme von 1979 in Teheran gewesen zu sein.

  • 2007

    US-Behörden erklären, im Irak festgenommene Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden hätten sich aktiv am Krieg gegen US-Truppen beteiligt. Man habe zudem Beweise dafür, dass mit von Teheran gelieferten Waffen US-Soldaten im Irak getötet wurden.

  • 2008

    Der Iran droht für den Fall eines Angriffs auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen und testet bei einem Großmanöver Raketen. Im Persischen Golf gibt es mehrere Zwischenfälle von US-Schiffen mit iranischen Schnellbooten. Es fallen Warnschüsse.

  • 2009

    Iranische Militärs nehmen im Grenzgebiet zum Irak drei US- Touristen fest. Nach einer Verurteilung wegen Spionage zu acht Jahren Haft kommt der erste 2010 frei, die beiden anderen im September 2011.

  • 2010

    US-Präsident Barack Obama setzt im Streit um das iranische Atomprogramm neue umfangreiche Sanktionen gegen Teheran in Kraft.

  • 2011

    Im Oktober werfen die USA dem Iran ein Mordkomplott vor: Für das geplante Attentat an einem saudischen Diplomaten macht US-Justizminister Eric Holder den militärischen Arm der iranischen Revolutionsgarden, Al-Kuds, verantwortlich. Ende des Jahres verschärfen die USA ihre Sanktionen wegen des umstrittenen iranischen Atomprogramms. Im Dezember kündigt der Iran eine Reaktion auf die angebliche Verletzung seines Luftraums durch ein US-Aufklärungsflugzeug an. Am 4. Dezember vermeldet der Iran, die Armee habe in einer östlichen Provinz eine unbemannte Drohne des Typs RQ170 abgeschossen.

Zuvor hatte am Dienstag Irans Vizepräsident Mohammed Reza Rahimi erklärt, kein Tropfen Öl werde mehr durch die Straße von Hormus gelassen, falls der Westen die wegen des Atomstreits verhängten
Sanktionen ausweite. Die USA verschärften daraufhin überraschend den Ton. Die US-Marine erklärte, sie habe eine „robuste Präsenz“ in der Region. Eine Behinderung des freien Seeverkehrs werde nicht toleriert.

Vor dem Hintergrund der verschärften Spannungen mit Teheran gab die US-Regierung am Donnerstag bekannt, 84 modernste F15-Kampfjets an Saudi-Arabien liefern zu wollen. Außerdem sollen 70 Maschinen der saudischen Luftwaffe modernisiert werden. Der Deal hat laut Weißem Haus ein Volumen von 30 Milliarden Dollar (23,2 Milliarden Euro). Er ist Teil eines Gesamtpakets von Rüstungslieferungen über die doppelte Summe, das der US-Kongress bereits voriges Jahr abgesegnet hatte.

Sanktionen gegen den Iran

  • 2006

    Im Dezember 2006 verbot der Sicherheitsrat den UNO-Mitgliedsländern, dem Iran Material und Technologie zu liefern, die seinen Atom- und Raketenprogrammen dienen könnten. Zudem wurden sie angewiesen, die Guthaben von zehn iranischen Schlüsselunternehmen und zwölf Einzelpersonen einzufrieren, die mit diesen Programmen zu tun haben.

  • 2007

    Im März 2007 wurden iranische Waffenexporte untersagt und die Guthaben von 28 weiteren Personen und Organisationen eingefroren. Der Sicherheitsrat rief überdies zu freiwilligen Beschränkungen der Reisemöglichkeiten betroffener Personen, der Waffenverkäufe an den Iran und frischer Finanzhilfen und Kredite an die iranische Regierung auf.

  • 2008

    Im März 2008 untersagte der Sicherheitsrat den Handel mit Gütern, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Seitdem darf beim Verdacht auf verbotene Ware auch die Fracht von Flugzeugen und Schiffen iranischer Staatsfirmen inspiziert werden. Zudem wurden die finanzielle Überwachung der Banken Melli und Saderat gebilligt, die Staaten zu „Wachsamkeit“ beim Abschluss neuer Handelsvereinbarungen aufgerufen und die Guthaben von weiteren zwölf Unternehmen und 13 Personen eingefroren.

  • 2010

    Im Juni 2010 untersagte der Rat dem Iran jegliche Aktivität in Bezug auf ballistische Raketen, die als Trägersysteme für Atomwaffen dienen können, Investitionen in Tätigkeiten wie Uranabbau und den Kauf bestimmter schwerer Waffen. Alle Länder wurden aufgerufen, bei der Inspektion verdächtiger Fracht zu kooperieren sowie Finanztransaktionen zu stoppen und die Zulassung iranischer Banken zu untersagen, wenn der begründete Verdacht besteht, dass diese Aktivitäten zum Atomprogramm beitragen könnten. Der Sicherheitsrat verhängte außerdem Sanktionen über 40 iranische Unternehmen und Organisationen, setzte eine weitere Person auf die bis dahin 40 iranische Staatsbürger umfassende Liste derer, deren Guthaben eingefroren wurden, und sprach für alle ein Reiseverbot aus.

  • ...von der EU und den USA

    Die EU und die USA haben weitergehende Sanktionen beschlossen. Die USA bereiten Gewährsleuten zufolge eine Reihe von Schritte vor für den Fall, dass der Iran die vom jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aufgeworfenen Fragen nicht zufriedenstellend beantwortet. In den kommenden Tagen werde man auch mit internationalen Partnern erörtern, wie der Druck auf Teheran erhöht werden könne, hieß es aus Regierungskreisen.

„Dieses Rüstungsgeschäft sendet die klare Botschaft in die Region, dass die USA sich der Stabilität am Golf und im weiteren Nahen Osten verpflichtet fühlen“, sagte der Staatssekretär für militärische Angelegenheiten im Außenministerium, Andrew Shapiro. Die Waffen seien auf die militärischen Bedürfnisse Saudi-Arabiens ausgerichtet. Shapiro nannte den Iran als eine der Bedrohungen. Der Rüstungsdeal ziele aber nicht ausschließlich gegen Teheran, unterstrich er.

102 Kommentare

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  • 02.01.2012, 19:34 UhrAnonymer Benutzer: ..........

    Zwischen den USA und Iran herrscht Kriegszustand schon seit Jahren! Als der Schah noch an der macht war, ist alles gut gewesen..!
    Da haben iranischen Studenten die Botschaft der USA besetzt und die Amerikaner als Geiseln genommen! Ihr Ziel war es die Auslieferung des Schah Mohammad Reza Pahlavi zu erzwingen, der in New York City in einer Klinik behandelt wurde. Die USA lehnten die Auslieferung ab.
    Bei anderen ist man da nicht so da verlangt die USA sogar dei Auslieferung an den Gerichtshof in Den Haag (Politik nach Interessenlage)
    Also startete die USA die Operation Eagle Claw um die Geiseln zu befreien! Was fehlgeschlagen ist!
    Nun ca. acht Jahre später am 3. Juli 1988 Iran – Ein Passagierflugzeug vom Typ Airbus A300 der Iran Air wird über der Straße von Hormuz vom Lenkwaffenkreuzer USS Vincennes (CG-49) abgeschossen. 290 Menschen sterben!

    Kürzlich hat sich doch eine Spionagedrohne der USA ganz zufällig über Iran verflogen und die USA hat für Teheran (Iran) eine virtuelle Botschaft aufgemacht! Die natürlich einen Tag später also am 7. Dezember gesperrt wurde für Iraner!
    Es wird also ALLES menschenmögliche getan um den Brand am lodern zu halten! Wir als Europäer werden gerade Psychisch auf den Krieg durch unsere Medien vorbereitet!

    Ob ein Krieg gegen Iran so simpel funktioniert wie gegen Irak wo die Massenvernichtungswaffen nach dem Krieg (Kriegsgrund) wie durch Geisterhand verschwunden waren?

    ja und wenn sich ganz zufällig eine Atomrakete verfliegt -Russland ist ja nicht weit könnte es auf der Erde ein wenig strahlen wo Fukushima und Tschernobyl absolut nichts dagegen gewesen wäre!
    Da geht es nicht mehr ums Ski fahren.. oder über Ungarn das gerade die Pressefreiheit abschafft...!
    SAudi-Arabien was mit Waffen zugeschüttet wird weil da die Frauen frei...

  • 31.12.2011, 16:57 UhrAnonymer Benutzer: stupid

    Zu…
    31.12.2011, 04:18 Uhr
    hardy
    Stupi,
    =============================

    Na also,
    geht doch!

    Alles ganz einfach,

    genau da liegt der riesige Unterschied:
    Hirn & Verstand

    So holt man Menschen von EURER inneren Größe
    an die Ziellinie!

    Guten Rutsch...

  • 31.12.2011, 14:01 Uhrhvh100

    @hardy

    Sehr schöne Zusammenfassung. Das sehe ich ganz ähnlich. Die USA sind natürlich auch Getriebene. Getriebene des eigenen Abstiegs.

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