Strenge Grenzkontrollen behindern Exporte aus Gaza
Wirtschaftlicher Frühling im Gefängnis

In Palästina wächst das ökonomische Potenzial, doch selbst Optmisten bezweifeln, dass es sich in naher Zukunft nutzen lässt.

HB GAZA-STADT. Der Investor Basil Eleiwa glaubt an die wirtschaftliche Zukunft der Palästinenser. Trotz Gewalt und Anarchie ist er entschlossen, aus dem Rückzug der Israelis aus dem Gazastreifen vor sechs Wochen Nutzen zu schlagen: „Es ist vielleicht die letzte Chance, die wir haben.“ In seinem neuen Luxusrestaurant „Roots“ bewirtet Eleiwa die privilegierte Oberschicht, die hohen Beamten der Palästinenserregierung und deren Offiziere. Doch das sei nur der Anfang: Auch wenn derzeit noch Armut, Gewalt und Unsicherheit den Gazastreifen prägten, könne die Region schon bald zu einem Touristenzentrum werden, sagt Eleiwa – und wischt alle Einwände vom Tisch. Zum Beispiel wolle Mövenpick im Sommer kommenden Jahres ein Luxushotel in Gaza-Stadt eröffnen.

Der palästinensische Ökonom Salah Abdelshafi sieht auch über den Fremdenverkehr hinaus Entwicklungschancen – etwa in der Landwirtschaft. Die bisherigen Gewinne der Siedler mit Tomaten- und Blumenexporten seien ein Beweis dafür, dass sich in Gaza Geld verdienen lasse. Zudem werde der neue Hafen von Gaza Banken, Versicherungen und Logistikfirmen anlocken: „Wir Palästinenser sind besser ausgebildet als der arabische Durchschnitt“, argumentiert Abdelshafi.

Allerdings rechnet selbst der optimistische Ökonom derzeit nicht damit, dass sich dieses Potenzial in naher Zukunft nutzen lässt. Gerade bombardierte Israel im Gazastreifen wieder Raketenabschussrampen und geht mit gezielten Tötungen gegen mutmaßliche Terrorführer vor. Die palästinensische Regierung wagt es nicht, die radikalen Milizen zu entwaffnen. Die Anarchie greift auf den Straßen von Gaza um sich, doch die palästinensische Polizei sieht tatenlos zu. „Solange in Gaza mit seinem Pro-Kopf-Einkommen von nur 722 Dollar im Jahr alle Reformen auf die lange Bank geschoben werden, warten die Investoren ab“, sagt Abdelshafi.

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