Strikte Grenzen: EU will Bankerboni deckeln

Strikte GrenzenEU will Bankerboni deckeln

Die Zeit der unbegrenzten Boni für Banker könnte bald vorbei sein. Die Europäische Union will gigantische Millionen-Zahlungen in den Top-Etagen von Banken künftig verhindern. Doch es gibt Widerstand.
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BrüsselViele Banker haben in der Krise Milliarden verzockt und Millionen an Boni einkassiert. Jetzt will die Europäische Union (EU) Schluss mit exorbitanten Zahlungen an Bank-Manager machen, erstmals könnten in Europa Erfolgsprämien begrenzt werden. Grundsätzlich sollen Boni verboten werden, die das eigentliche Gehalt übersteigen. Nur wenn Aktionäre auf der Hauptversammlung oder der Eigentümer zustimmen, sollen noch Extra-Vergütungen erlaubt sein, die doppelt so hoch sind wie das Grundgehalt.

Diese Regeln sieht ein Kompromisspapier zu Obergrenzen für Boni vor, das die EU-Staaten, das Europaparlament und die EU-Kommission derzeit beraten. Am kommenden Dienstag gehen die stockenden Gespräche darüber in Brüssel in den Schlussspurt. Diplomaten rechnen mit einer Einigung.

Die Regeln könnten schon Anfang 2014 greifen - ein Jahr später als zunächst geplant. Sie sind Teil der schärferen Kapitalvorschriften für die Finanzbranche namens „Basel III“, auf die man sich international verständigt hat. Diese sollen Schieflagen von Banken künftig verhindern. Es wäre das erste Mal in der Europäischen Union, dass es für Bonuszahlungen eine absolute Grenze gibt. Hohe Boni gelten als Mitauslöser der weltweiten Krise, weil sie die Banker für riskante Geschäfte belohnten und damit die falschen Anreize setzten.

Die bislang beschlossenen Reformen schreiben lediglich vor, Prämien zeitlich zu strecken. Seit Ende 2010 gelten in der EU und in Deutschland strengere Regeln. Die meisten Banken zahlen Boni nicht direkt aus, sondern strecken sie über eine Frist von drei bis fünf Jahre. Nur wenn sich ein Geschäft als langfristig erfolgreich erweist, wird die volle Summe freigegeben. Boni umfassen in der Regel Barzahlungen sowie Wertpapiere und Zahlungsversprechen für spätere Jahre.

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EU will Bankerboni deckeln

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Widerstand kommt aus Großbritannien

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  • "Schrecksekunde für die City - EU einigt sich auf Bonus-Grenzen für Banker. ..."

    Zitat: "Tatsächlich werden die Banken nach einer ersten Schrecksekunde das Naheliegende tun: Sie werden sich höhere Fix-Gehälter im Top-Management genehmigen. Hier gibt es nämlich keine Begrenzungen nach den neuen EU-Regeln. Damit wird das Leben auch für das Management angenehmer: Die Manager können hohe und höchste Gehälter einstreichen, ohne dafür eine Leistung bringen zu müssen. Auch ist es denkbar, dass Boni künftig anders deklariert werden. Auch eine Auslagerung der Boni ist denkbar: Denn betroffen von der Regelung sind nur die europäischen Banken und die Niederlassungen internationaler Banken in Europa. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind daher unbegrenzt." Zitat Ende.

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/02/18/panik-in-der-city-eu-einigt-sich-auf-bonus-grenzen-fuer-banker/

  • Fortsetzung:

    Mächtige Finanzakteure haben nicht nur die Fähigkeit, Geld zu schöpfen und ohne Behinderung frei zu bewegen, sondern können auch die Zinssätze manipulieren und den Niedergang großer Währungen beschleunigen ... Das bedeutet in der Praxis, dass die Zentralbanken nicht mehr in der Lage sind, die Geldschöpfung im Allgemeininteresse der Gesellschaft zu regulieren, um etwa Produktionsanreize zu schaffen oder die Beschäftigung zu fördern.“8
    Das Grundproblem besteht also in der Frage, über welchen Kapitalismus wir heute eigentlich noch reden. Bekanntlich hat das führende US-amerikanische Kapitalismusmodell seit den Siebzigern zwei Veränderungen erfahren. Erstens wurde der mit dem New Deal eingeführte, staatlich regulierte stakeholder-Kapitalismus durch ein neues Modell konzerngesteuerter Zielsetzungen und Verantwortungen ersetzt. In diesem Modell ging es zweitens nicht mehr um das Wohlergehen der Beschäftigten und die Wohlfahrt der Kommunen, sondern darum, für die shareholder kurzfristig den Wert der Aktien und die Dividendenauszahlungen zu steigern. „Die praktischen Folgen sind ein stetiger Druck, die Löhne und sonstigen Ansprüche der Beschäftigten zu kürzen (was in manchen Fällen zum DiebsDiebstahl der Pensionen und zu anderen Verbrechen führte) sowie politische Propaganda und Lobbyismus zugunsten der Senkung von Unternehmenssteuern, mit denen staatliche und öffentliche Aufgaben finanziert werden könnten.“ 9 Dieses System geht inzwischen als Franchise um die Welt...

    Nachzulesen hier

    http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wemgehoertdieeu/eu-krys-sept-06.pdf

    Solche Aktionen sind hirnlos und völlig daneben!! Nebelkerzen für den Bürger!!

  • http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wemgehoertdieeu/eu-krys-sept-06.pdf

    „Die Empfänger staatlicher Geschenke sind nun zugleich die Gläubiger des Staates. Die öffentlichen Schulden, mit denen die Finanzministerien das Big Business gepäppelt haben, werden von Banken und Finanzinstitutionen erworben, die sich weiterhin staatlicher Subventionen erfreuen. Eine absurde Situation: Der Staat finanziert seine eigene Verschuldung, indem seine Geschenke in den Kauf von Staatsanleihen zurückfließen. Der Staat ist so in die Zange geraten zwischen mächtigen Wirtschaftslobbys auf der einen Seite, die dafür sorgen, dass die staatlichen Geschenke nicht versiegen, und privaten Finanzhäusern als Gläubigern auf der anderen Seite ... Außerdem sind in den meisten OECD-Ländern die Zentralbank-Statuten geändert worden, um die Forderungen der Finanzeliten zu erfüllen. Jetzt sind sie in aller Regel nominell unabhängig und dem staatlichen Einfluss entzogen – praktisch also zunehmend auf die Gnade privater Gläubiger angewiesen. Die Zentralbank kann dem Staat unter ihren neuen Statuten keinen Kredit mehr
    einräumen. Artikel 104 des Maastrichter Vertrags z.B. bestimmt, dass die Kreditgewährung im Ermessen der Zentralbank liegt, die Zentralbank also nicht gezwungen werden kann, solche Kredite zu gewähren ... In der Praxis operiert die Zentralbank, die nun weder der Regierung noch der Legislative Rechenschaft schuldig ist, als autonome Bürokratie unter dem Einfluss privater Finanz- und Bankinteressen ... Das bedeutet, dass von Geldpolitik als einem Mittel staatlicher Intervention keine Rede mehr sein kann. Geldpolitik ist weitgehend eines Sache der Privatbanken, und Geldschöpfung – zu der ganz wesentlich die Verfügungsgewalt über reale Ressourcen gehört – findet innerhalb eines inneren Kreises des internationalen Bankensystems statt und dient allein der Anhäufung privaten Reichtums...

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