Stromwirtschaft
Japan in der Defensive

Die Japanische Regierung steht von mehreren Seiten unter Druck, weil sie einem britischen Investor den Einstieg beim größten Stromnetzbetreiber des Landes untersagt hat. Auch die EU spart nicht mit Kritik am „abgeschottetsten Investmentmarkt der Welt“.

HB TOKIO. Die EU, westliche Politiker und der britische Investor The Children’s Investment Fund (TCI) selbst warfen dem Inselreich in scharfen Tönen Protektionismus vor. Doch je nach Sichtweise stellt sich die Lage anders da: Japan hat Meinung auch westlicher Branchenkenner begründete Interessen verteidigt. Das Land gibt sich im Gegenteil gerade in den vergangenen Jahren durchaus investorenfreundlich.

„Es kommt darauf an, ob man die Sache aus der angelsächsischem Perspektive betrachtet oder mehr aus der kontinentaleuropäischen“, sagt Rechtsanwalt Thomas Witty von der Tokioter Filiale der internationalen Kanzlei Arqis. „Für die Amerikaner und Briten sind Finanzinvestitionen viel wichtiger als für Kontinentaleuropäer, die typischerweise Industriebeteiligungen suchen.“ Es sei in Japan normalerweise nicht signifikant schwerer als in anderen Ländern, eine Firma zu kaufen.

Japans Versorger sind zwar privatisiert, begrüßen aber den Schritt der Regierung, den Energiegroßhändler vor einem möglichen Sparkurs zu schützen. „J-Power ist das einzige Unternehmen mit einem landesweiten Verbundnetz“, sagt ein Manager aus einem japanischen Stromkonzern. „Wenn hier aus Gründen der Shareholder Value Investitionen unterbleiben, schlägt das auf die Versorgungssicherheit.“

Anwalt Witty zufolge kann die Finanzbranche die Zurückweisung von TCI trotz der guten Argumente nicht öffentlich gut heißen. „Wenn ein Banker so etwas sagen würde, dann hieße es, die sind gegen Shareholder Value, und die Branche würde sich von ihm abwenden“, so der Rechtsexperte.

Die Ablehnung der Übernahme erfolgte auf Basis der „Vorschriften für Investitionen aus dem Ausland“, die im vergangenen Jahr erweitert wurden. Wo nationale Interesse betroffen sind, muss ein Firmenaufkäufer das japanische Wirtschaftsministerium Meti und die Bank of Japan um Erlaubnis fragen und eine Reihe von Fragen beantworten. „Das treibt in der Tat bei vielen Übernahmen die Bürokratie hoch“, sagt Anwalt Witty.

Es gibt jedoch praktisch immer grünes Licht – die Zurückweisung von J-Power war die erste tatsächliche Anwendung des Gesetzes. Dennoch griff EU-Handelskommissar Peter Mandelson die Japaner mit einer vollen Breitseite an, als er vergangene Woche zu Besuch in Tokio war. „Japan bleibt der abgeschottetste Investmentmarkt der Welt“, sagte Mandelson, der kurz zuvor einen Brief von seinen Landsleuten bei TCI erhalten hatte. Die Widerrede des japanischen Wirtschaftsministers Akira Amari blieb da fast ungehört: „Die Entscheidung entsprach internationalen Standards, wie es sie auch in der EU gibt.“

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