Strukturelle Schwächen
Aus eigener Kraft schafft es Griechenland nicht

Das Krisenland hat die Wirtschaftsstruktur eines Schwellenlandes. Nur die Fischerei, Landwirtschaft und die Tabakbranche sind wettbewerbsfähig. Daher kann Athen ohne ein Aufbauprogramm die Schulden nicht zurückzahlen.
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DüsseldorfDie griechische Wirtschaft liegt am Boden. Um fast sieben Prozent ist die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr gesunken – und in diesem Jahr wird sie nach Schätzung der Europäischen Kommission noch einmal um mehr als vier Prozent nachgeben. Damit nicht genug: Die Gegenleistungen der Griechen für das zweite Rettungspaket sind außerordentlich umfangreich. Der Staat muss seine Ausgaben weiter senken, auch die regulierten Löhne im Privatsektor sollen um 22 Prozent gekürzt werden. Das Ziel: So sollen die Lohnstückkosten um 15 Prozent gedrückt werden.

Damit wird allerdings das Problem nicht gelöst. Denn die Lohnsenkung verbessert zwar die statistische Wettbewerbsfähigkeit der Industrie –aber sie ändert nichts daran, dass das Land kaum Produkte herstellt, die es auf den internationalen Märkten anbieten kann. Es fehlt in der Debatte um die Sanierung Griechenlands noch immer an zündenden Ideen, wie eine wettbewerbsfähige Privatwirtschaft aufgebaut werden kann.

Die wenigen Konzepte setzen entweder auf stark subventionsbedürftige Industrien wie die Solarenergie. Oder sie wollen vorhandene Stärken wie Tourismus und Landwirtschaft ausbauen – in denen Griechenland allerdings billige Konkurrenten vor der Haustür hat.

„Griechenlands Wirtschaftsstruktur entspricht der eines Schwellenlandes“, sagt Karl Brenke vom Berliner Forschungsinstitut DIW. In einer Studie hat er die griechische Unternehmenslandschaft mit der anderer Euro-Staaten verglichen. Sein Fazit: „Die hohe Staatsschuld ist nur ein Ausdruck der Probleme, die eigentliche Ursache ist die unzureichende Wirtschaftskraft.“ Das kritisieren auch griechische Ökonomen: Griechenland habe jahrzehntelang den Staatssektor aufgebläht, während die Privatwirtschaft kleinteilig und rückständig geblieben sei.

Kommentare zu " Strukturelle Schwächen: Aus eigener Kraft schafft es Griechenland nicht"

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  • Das Land benötigt wirksame ökonomische Strukturen. Dazu bedarf es geeigneter Menschen, die in der Lage sind die Ärmel hochzukrämpeln, um diese Strukturen zu schaffen. Tun. an der Basis.

  • @ R.Rath
    Aber das juckt die Herren doch gar nicht mehr. Der Euro ist eine Fehlkonstruktion, und wird nie funktionieren, denn die Länder die an repetitive Abwertungen ihrer Währungen gewöhnt waren können nicht plötzlich mit Industrienationen konkurrieren. Einstimmigkeit, kein Austritt/Rauswurf möglich, aber Umverteilung von der Mehrzahl gewünscht, usw. Der Michel wird es schon noch merken, wenn sein Geld kaputt ist.

  • @ R Rath,
    Sie müssen es so sehen: Die Griechen haben aus dem Strukturfond dr EG schon ca. 100 Milliarde bekommen,
    sie haben von uns Bares bekommen und Rettungsschirme und Geld der EZB und verlangen jetzt eien Marschall-Plan.
    Wenn das nicht unverschämt ist. Nein, ein Fass ohne Boden ist richtig gesagt, nur müsste man jetzt auch danach handeln und nicht unser Geld weiterhin verbrennen,wie es augenblicklich gemacht wird.

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