Studie belegt hohe Betriebskosten der Zentralbanken
Europa leistet sich teure Notenbanken

Die zwölf Mitgliedstaaten der Währungsunion unterhalten aufwendige Zentralbanken. Diese gaben 2004 allein für Personal 5,03 Mrd. Dollar aus – mehr als dreimal so viel wie die Zentralbank der USA bei einer geringeren Wirtschaftskraft und Bevölkerung.

mak HB FRANKFURT/M. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Zeitschrift „Central Banking“. Wenn man die Europäische Zentralbank (EZB) mit 174 Mill. Dollar einrechnet, kommt das Eurosystem sogar auf Personalkosten von 5,21 Mrd. Dollar.

„Die Betriebskosten einer Zentralbank schmälern die Gewinne, die an die Regierungen ausgeschüttet werden“, schreibt der Autor der Studie, Paul Brione. Er hat sich auf den Vergleich der Personalkosten der Notenbanken der OECD-Länder beschränkt. Diese belaufen sich im Durchschnitt auf rund 60 Prozent der Betriebskosten und lassen sich einigermaßen verlässlich aus den Gewinn- und Verlustrechnungen entnehmen. Nicht immer gehe allerdings aus dem Jahresabschluss hervor, was im Einzelnen in die Personalkosten eingerechnet sei, kritisiert Brione. Außerdem sei zu berücksichtigen, dass manche Zentralbanken Zusatzaufgaben wahrnähmen, weil sie etwa für die Bankenaufsicht zuständig seien oder – wie die Banque de France – ihre eigenen Notendruckerei unterhielten.

Pro Beschäftigem wendet die Mehrheit der Zentralbanken der Studie zu Folge zwischen 60 000 und 100 000 Dollar jährlich auf. Mit fast 213 000 Dollar übertrifft Österreich diese Werte bei weitem. Auf Platz zwei rangiert mit 153 019 Dollar Italien, dicht gefolgt von der EZB mit 133 903 Dollar. Die US-Notenbank Fed zahlt mit 71 595 Dollar gut die Hälfte. In der Slowakei liegt der Vergleichswert bei nur 29 100 Dollar.

Wenig erstaunlich ist, dass kleine Länder pro Kopf der Bevölkerung jährlich einen relativ hohen Betrag zahlen. Für Luxemburg sind es 43,76 und für Island 31,08 Dollar. Umgekehrt haben aber nicht die größten Länder die niedrigsten Kosten. Die hat mit 2,72 Dollar Großbritannien, gefolgt von Kanada mit 2,80 und Japan mit 2,91 Dollar. Frankreich kommt auf stattliche 22,88 und Italien auf 21,31 Dollar. Griechenland liegt mit 30,25 Dollar nicht nur bei den Personalkosten pro Kopf der Bevölkerung auf den vorderen Rängen. Mit 1 442 Dollar wendet es auch pro Million seines Bruttoinlandsproduktes (BIP) den höchsten Betrag für die Zentralbankbelegschaft auf.

Einen Rückgang in den Personalkosten seit 1999 ermittelt die Studie nur in Australien, Neuseeland, Großbritannien und Norwegen. Die Bundesbank gibt mehr für Personal aus. „Mit Sicherheit haben die europäischen Zentralbanken Einsparpotenzial“, sagt Thorsten Polleit von Barclays Capital.

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