Studie
Britische Firmen verdienen im Irak Milliarden

Die britische Wirtschaft hat nach einer neuen Studie seit dem Sturz von Saddam Hussein im Irak mehr als 1,5 Milliarden Euro verdient. Auch deutsche Firmen sind trotz wachsender Sicherheitsrisiken weiter in dem Land aktiv. Bei großen Aufträgen haben sie allerdings meist das Nachsehen.

HB LONDON. In Großbritannien gehören zu den großen Nutznießern des militärischen Einsatzes nach einem jetzt veröffentlichten Bericht der privaten Forschungsgruppe Corporate Watch vor allem Sicherheitsfirmen, Bauunternehmen, PR- Firmen sowie Ölgesellschaften. In der Studie werden insgesamt 61 Unternehmen aufgeführt.

Der Mindestgewinn, den die britischen Firmen in den vergangenen Jahren aus dem Irak-Geschäft ziehen konnten, wird von der Organisation auf rund 1,1 Millionen Pfund (1,59 Milliarden Euro) geschätzt. Dies sei jedoch nur die „Spitze des Eisbergs“. Nach den Berechnungen von Corporate Watch könnte der Gewinn bis zu acht Milliarden Euro betragen. Nach ihren Angaben sind im Irak allein für britische Sicherheitsfirmen mehr als 20 000 Beschäftigte im Einsatz.

Die langfristigen Geschäftsaussichten im Irak erscheinen verlockend. Auf 55 Milliarden Dollar schätzten Weltbank und Vereinte Nationen vor einigen Jahren die nötigen Wiederaufbauinvestitionen bis 2007. Eine Wiederaufbaumesse für den Irak, die im Mai im wesentlich sichereren Nachbarland Jordanien stattfinden soll, wirbt: "Seien Sie ein Akteur im vielversprechendsten Markt der Region".

Auch deutsche Firmen sind im Irak aktiv - trotz der ständigen Gefahren einer Geiselnahme von Mitarbeitern. Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sind etwa 30 bis 40 deutsche Firmen im Irak tätig. Sie greifen zum größten Teil auf einheimische Mitarbeiter zurück und nehmen die Warnungen des Auswärtigen Amtes wie auch der Wirtschaftsverbände vor Reisen ins Land ernst. Die Unternehmen sind vor allem in der Elektrifizierung und Wassertechnik sowie bei Infrastrukturmaßnahmen wie Zementproduktion im Einsatz. Auch Liefergeschäfte mit Klimaanlagen, Dieselgeneratoren oder Nutzfahrzeugen bilden Schwerpunkte. Größtes Projekt der Deutschen ist laut DIHK derzeit der Bau einer Zementfabrik im Norden des Landes. Das Projekt habe ein Volumen von rund 100 Millionen US-Dollar.

Der DIHK beziffert das Exportvolumen deutscher Firmen im Irak auf etwa 280 Millionen Euro im Jahr 2005. 2004 habe es noch 370 Millionen Euro betragen, womit das Niveau der Vorkriegszeit erreicht worden sei. Für 2006 geht der DIHK wieder von einem Anstieg der Exporte aus. Insgesamt sei der Irak jedoch nur ein Nischenmarkt für die deutsche Wirtschaft. Die großen Auftrage sind vergeben - an die US-Alliierten im Irakkrieg.

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