Studie der syrischen Opposition
Flüchtlinge wollen bei Assad-Abtritt zurückkehren

Die meisten Syrer flüchten vor dem Machthaber ihres Landes. Das ist das Ergebnis einer Studie der syrischen Oppositionellen. In Deutschland wollen offenbar nur wenige bleiben – allerdings nur sofern Assad abtritt.

BerlinDer Hauptgrund für die Flucht von Syrern nach Deutschland ist einer von syrischen Oppositionellen initiierten Befragung unter syrischen Flüchtlingen zufolge die Gewalt seitens der Regierung von Syriens Machthaber Bashar al-Assad. 92 Prozent der Befragten hätten angegeben, vor bewaffneten Auseinandersetzungen geflohen zu sein, wie die Organisation Adopt a Revolution am Mittwoch in Berlin mitteilte. „In einer breiten Mehrheit“ machen die Flüchtlinge demnach das Assad-Regime für die Kämpfe verantwortlich.

70 Prozent sehen die Schuld dafür der Umfrage zufolge bei der syrischen Regierung, 32 Prozent bei der Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) und 18 Prozent bei der Freien Syrischen Armee (Mehrfachnennungen möglich). Gut drei Viertel der Flüchtlinge gaben als Fluchtgrund zudem die Befürchtung an, vom Assad-Regime festgenommen zu werden, 42 Prozent fürchteten in Syrien eine Entführung durch den IS.

Weniger als jeder zehnte syrische Flüchtling plant laut der Befragung, dauerhaft in Deutschland zu bleiben – allerdings ist für gut die Hälfte von ihnen der Abtritt von Assad die Bedingung für eine Rückkehr nach Syrien.

Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) unterstützte die der syrischen Opposition nahestehende Organisation Adopt a Revolution bei der Befragung von fast 900 Flüchtlingen in fünf deutschen Städten. Die meisten von ihnen seien in diesem Jahr geflohen, sagte WZB-Mitarbeiter Heiko Giebler. Ob sie wirklich alle aus Syrien stammen, ist allerdings nicht klar, da sich die Befragung auf eigene Aussagen der Befragten verlässt. Auch sind die Ergebnisse der Umfrage nicht repräsentativ.

Trotzdem seien die starken Tendenzen in den Angaben der Befragten überraschend, sagte der Sprecher der Organisatoren, Elias Perabo. Sie machten klar, „wie drastisch die Eindämmungsstrategie der Bundesregierung und auch der EU eigentlich gescheitert ist“. Syrien „einfach herumdümpeln zu lassen“ habe nicht funktioniert. „Der Kampf gegen den Terror der IS löst das Problem in Syrien nicht“, sagte Perabo. Es gehe darum, wie „Assad das Land verlassen kann, oder zumindest die Hauptregierung in Damaskus“.

Adopt a Revolution versteht sich als Unterstützerorganisation des „syrischen Frühlings“. Sie gilt als gemäßigten Rebellengruppen nahestehend.

Auch der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir forderte eine politische Kursänderung. „Die Bundesregierung und die EU müssen anerkennen, dass die größte Fluchtursache in Syrien Assad und seine Fassbomben sind“, sagte er. Zwar müsse der „brutale Terror“ des IS beendet werden, aber „Frieden in Syrien kann es nur ohne Assad geben“.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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