Studie des Nobelpreisträgers Deaton
Soziale Ungleichheit treibt Amerikaner in den Tod

Eine Epidemie der Hoffnungslosigkeit?

Seit Mitte der 90er Jahre werden zudem immer mehr starke, opioid-haltige Schmerzmittel verschrieben – die Grenze zu einer Nutzung als Droge ist hier oft fließend. Die Forscher fordern deshalb striktere Verschreibungs-Regeln. Daneben seien aber auch tiefere soziale und ökonomische Probleme anzugehen. „Wenn das, was hier passiert, eine Epidemie der Hoffnungslosigkeit ist, dann sehen wir eine weitere schreckliche Folge von langsamem Wachstum und von wachsender Ungleichheit“, bilanziert Deaton.

In die durchschnittliche Lebenserwartung von US-Amerikanern, die für 2013 geborene Kinder bei 78,4 Jahren liegt, seien die Studienzahlen bereits eingerechnet, ergänzte Deaton auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur. Sie dürften die Kurve abgeflacht haben. „Die Lebenserwartung wird sich weniger schnell erhöht haben, als es ohne diese Epidemie der Fall gewesen wäre.“

In Deutschland steigt die Lebenserwartung weiter stetig an – für 2015 geborene Mädchen liegt sie bei fast 83 Jahren, für Jungen bei rund 78 Jahren. Allerdings erreicht sie nicht die weltweite Top-10. Entsprechend sank die Sterberate für das Alter von 45 bis 54 seit 1990 um etwa zwei Prozent pro Jahr. Starben 1990 noch über 450 pro 100.000 Menschen dieses Alters waren es 2013 rund 300 pro 100.000.

Und auch wenn derzeit alles stabil ist, sagt der Medizinsoziologe Prof. Siegfried Geyer (MH Hannover): „Wenn in Deutschland die gleichen Entwicklungen in dem gleichen Ausmaß eintreten wie in den USA, kann ein Sinken der Lebenserwartung durchaus vorkommen.“

Drogen- und Alkoholmissbrauch seien oft Folgen sozialer und ökonomischer Probleme, erläutert Geyer. Deshalb sei etwa nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in vielen osteuropäischen Ländern die Lebenserwartung stark gesunken. „Griechenland wäre ein Kandidat für eine solche Entwicklung.“

Umgekehrt sei in Deutschland für die Zukunft auch denkbar, dass eventuell sinkende Einkommen und Renten durch einen höheren Anteil arbeitender Frauen und gesündere Lebensführung aufgewogen werden könne. „An solchen Fragen sind wir gerade dran.“

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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