Studie
EU-Staaten könnten Milliarden sparen

Durch das Festhalten an nationalen Strukturen leisten sich die EU-Staaten teuren Luxus. Laut einer Studie des ZEW und der Bertelsmann-Stiftung könnten sie durch gemeinsame Botschaften und eine Europaarmee viel sparen.
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Die EU-Staaten könnten durch eine verstärkte Zusammenarbeit Milliarden sparen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Bertelsmann-Stiftung in einer gemeinsamen Studie. Durch das Festhalten an nationalen Strukturen entstünden unnötig hohe Kosten. In ihrer Untersuchung befassen sich die Forscher mit drei Politikfeldern: Erstens mit der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), zweitens mit der Außenvertretungen und drittens mit der Verteidigung.

Die gemeinsame Frage für alle diese Politikfelder lautet, inwieweit Europa einen Mehrwert schaffen und die gleiche Leistung für weniger Geld anbieten kann, als dies bislang die Nationalstaaten tun. „Europa gibt nicht unbedingt zu wenig Geld aus - Europa schafft mit seinem Geld vielmehr einen zu geringen Mehrwert, sagt ZEW-Forscher Friedrich Heinemann.

Für die Agrarpolitik, die immer wieder als Subventionsgrab kritisiert wird, mag die Suche nach einem „europäischen Mehrwert überraschen. Indessen könnte sie insoweit sinnvoll sein, als sie hilft, kostspielige nationale Subventionswettläufe zu verhindern. Die empirische Analyse zeigt, dass bei einer Nationalisierung der Agrarpolitik nicht mit geringeren Kosten zu rechnen wäre.

Echten Mehrwert könnten nach den Berechnungen der Forscher hingegen gemeinsame europäische Botschaften und Konsulate bringen. Hier seien Einsparungen von 6 bis 19 Prozent der heutigen Kosten vorstellbar, wenn die EU-Staaten sich auf Botschaften mit 28 Flaggen einlassen würden. In absoluten Beträgen könnten somit die jährlichen Ausgaben um bis zu 1,3 Milliarden Euro gedrückt werden. Dabei berücksichtigen die Berechnungen sogar, dass solche Botschaften weiterhin für Sprachen oder für die Pflege nationaler Sonderinteressen besonderes Personal benötigen würden.

Noch bedeutsamer wäre eine stärkere europäische Zusammenarbeit in der Verteidigungspolitik. Das Forscherteam hat hier die Bandbreite möglicher Einsparungen errechnet, die sich für die Errichtung von integrierten Landstreitkräften in der EU ergeben würden und beziffert diese auf Beträge zwischen drei und neun Milliarden Euro jährlich, ohne dass dadurch die militärische Leistungsfähigkeit verringert würde.

Allerdings enthält die Bertelsmann-ZEW-Studie auch eine Warnung: Die errechneten Kosteneinsparungen lassen sich nur dann realisieren, wenn die Übernahme der neuen Aufgaben durch die EU nicht mit einer Anhebung der Gehälter gegenüber dem nationalen Niveau einhergeht.

Würden alle Botschaftsangehörigen oder europäischen Soldaten in Zukunft mit EU-Gehältern bezahlt, dann würde dies unweigerlich alle Chancen auf Kostensenkung zunichtemachen.

 

Kommentare zu " Studie: EU-Staaten könnten Milliarden sparen"

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  • Wer schützt uns vor diesem neuen unantastbaren ADELSTAND ?

    Diese selbsternannten "ELITEN" aus Politik und Wirtschaft steuern EUROPA in die KATASTROPHE, nicht zu fassen !

    Fahrlässige DEMOKRATIE-Gefährdung !!!


  • Die Deutsche Presselandschaft pariert angesichts einer sich verschärfenden Gesamtlage bzw. angesichts bereitstehender Sponsormittel bwz politischer Wünsche.
    Journalisten wollen halt auch ihre Lieben versorgen.

    Hampelmannpresselandschaft !!!. Dennoch: habt Verständnis.

  • Hier kann man exemplarisch sehen für wie doof wir eigentlich gehalten werden.

    Nun ja, ist es denn ein Wunder, dass jemand auf die Idee kommt?

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