Studie

Griechische Bank warnt vor Drachmen-Desaster

Die Drachme wieder einführen, das fordern auch manche Griechen. Die Konsequenzen skizziert nun eine Studie der griechischen Nationalbank. Ihr Fazit ist verheerend.
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Einfach tauschen: Drachme gegen Euro. Quelle: dpa

Einfach tauschen: Drachme gegen Euro.

(Foto: dpa)

AthenEin Ausstieg Griechenlands aus der Währungsunion und die Rückkehr zur Drachme wäre für das Land und seine Menschen eine wirtschaftliche Katastrophe. Die erhofften Abwertungseffekte würden verpuffen und die Wirtschaft noch tiefer abstürzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der National Bank of Greece (NBG), des größten griechischen Kreditinstituts.

Mit der Wiedereinführung der Drachme werde das durchschnittliche Jahreseinkommen der Griechen um mehr als die Hälfte schrumpfen, prognostiziert die Untersuchung, nämlich von gegenwärtig 19.400 Euro auf umgerechnet 8.700 Euro. Es läge damit niedriger als in Kroatien, Polen oder Lettland. Der wirtschaftliche Abstieg des Landes, das wegen des harten Sparkurses seit 2008 bereits fast ein Fünftel seiner Wirtschaftsleistung einbüßte, würde sich weiter beschleunigen: bei einer Rückkehr zur Drachme werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im kommenden Jahr mindestens um weitere 22 Prozent schrumpfen.

Dadurch sei mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote von derzeit knapp 22 auf 34 Prozent zu rechnen, schreiben die Verfasser der NBG-Studie. Die neue Drachme würde schnell an Wert verlieren, gegenüber dem Euro um bis zu 65 Prozent. Die Inflationsrate setzen die Verfasser bei 32 Prozent an, den Leitzins bei 37 Prozent. Dies würde vor allem die Einkommensschwachen treffen, schreiben die Verfasser der Studie.

Eine Rückkehr zur Drachme würde bedeuten, dass Griechenland seine Auslandsschulden von 325 Milliarden Euro nicht mehr bedienen kann. Ein solcher Zahlungsausfall hätte negative Auswirkungen auf die Auslandsgeschäfte griechischer Unternehmen, heißt es in der 17-seitigen Untersuchung. Die Volkswirte der Bank erwarten auch Engpässe bei der Versorgung mit importierten Grundnahrungsmitteln, Treibstoffen, Pharmazeutika und anderen Importwaren.

Ein Ausstieg aus dem Euro sei „kein Planspiel mehr oder ein Szenario mit minimaler Wahrscheinlichkeit“, warnt die Untersuchung. Die Atmosphäre sei „so explosiv“, dass schon „eine Ungeschicklichkeit“ zu einem Ausscheiden aus der Währungsunion führen könne. Eine Einstellung der Hilfszahlungen der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) werde zu einem sofortigen Zahlungsausfall führen. Für einen solchen Fall müsse man mit „extremer Unsicherheit, sozialen Unruhen und Panik in der Wirtschaft“ rechnen.

Durch Wiedereinführung entstünden große technische Probleme
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6 Kommentare zu "Studie: Griechische Bank warnt vor Drachmen-Desaster"

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  • GR sollte dennoch den Euro verlassen und die Drachme wieder einführen.
    Lebensnotwendige Importgüter wie Öl, Medikamente und ggf. Nahrungsmittel kann die EU für eine Übergangszeit zu subventionierten Preisen an GR verkaufen. Dafür bin ich bereit, weitere Hilfen zu gewähren. Wofür gibt es die gigantischen Subventionstöpfe der EU?
    Nicht bereit bin ich, weiterhin für´s Durchwursteln geradezustehen.

  • Nach dieser Studie ist wenigstens klar, dass zumindest Griechenland massiv vom Euro profitiert hat.
    Damit rücken Fragen in den Vordergrund, die man vor so viel schönen Erlebnissen lieber nicht stellen will:
    Wäre es endlos so schön weitergegangen?
    Wenn jemand - und so vermittelt es die Studie - dauerhaft im Vergleich zur Nicht-Eurozone besser lebt, ist er dann nicht auf Jahrzehnte zu Subventionsbezug verdammt?
    Ist ein politisch motiviertes Projekt wie der Euro für eine heterogene Gemeinschaft das Richtige?
    Abschließend: Der GR-Zentralbank muss klar sein, dass es nicht einfach wird, aber auch hier ist die GR-Regierung eben gefordert. Keiner hat gesagt, dass es leicht wird.

  • @ Pro-D
    Man kann natürlich auf den totalen Zusammenburch Griechenlands spekulieren. So scheinen es zumindest die ach so selbstlosen Freunde und Nachbarn Griechenlands im Sinn zu haben. Was aber, wenn am 18. Juni lauter kleine gelbe Männlein im Blaumann und den Taschen voll Geld (Euros natürlich) bei den Griechen in der Tür stehen?
    Man, man, man! Wie können sich die Europäer nur so bekloppt anstellen?

  • Ich frage mich langsam immer mehr, warum die Wirtschaftsleistung von Griechenland selbst im Handelsblatt nicht näher untersucht wird.
    Bei einer derart hohen Abhängigkeit vom Tourismus, ist in den aktuellen Krisenzeiten und bei den Affronts gegen EU-Nordländer insbesondere - doch auch kein Wunder, warum dieser 'Industriezweig' völlig zusammenbricht.
    Natürlich hängen daran eine Menge Arbeitslöhne und reisst die gesamten Innenwirtschaft ganze herunter.

    Ständig nur pauschal davon zu reden, die Wirtschaftsleistung in Griechenland nimmt wegen der Verschuldung ab, ohne Analyse wieso denn genau - ist meines Erachtens journalistisch unqualifiziert.

    Gäbe es nicht die großen Affronts gegenüber Geberländern, denen als Gläubiger die Buhmann-Rolle zugeordnet wird - wären die Umsätze durchaus im Rahmen geblieben.

    Konkrete Hilfsprogramme für die griechische Bevölkerung, wurden auch noch von keiner Seite aufgelegt .. Dabei sind es für mich genau diejenigen (das griechische Volk), die ich als Europäer sehr gerne unterstützen würde.

    Die griechischen Bänker, Reeder, Beamten eher weniger.

  • WOW welche geniale Erkenntnis, dass sich die GR-Situation ohne unsere Steuergelder verschlechtern würde.

    Für uns aber nicht.

    Der Versuch ein Volk von Bauern und Fischer auf den Level einer höchst entwickelten Industrienation zu heben, musste schief laufen. Nun aber haben die GR wieder die Chance von Hirse und Metaxa zu leben.

    Der Tourismus ist dann eh weg, weil die GR frech und faul sind und noch über die schimpfen, die sie ernähren.

    "Wessen Brot du isst, dessen Diener du bist"

    Evtl. sollten die GR das erst mal lernen und bis dahin bleiben die dt. Touristen weg und die anderen haben eh bald kein Geld mehr, fürs Reisen.

  • Griechenland ist mit dem EURO zum Erfolg verdammt.

    Die Griechen würden sowieso Schwarzhandel mit EUROs betreiben, wenn ihr Staat eine andere Währung einführen würde. Wer bitteschön würde einer griechischen Währung Vertrauen schenken? Die Griechen würden sich schwarz in EURO bezahlen lassen und ebenso zahlen und sparen.

    Der Staat könnte mit der Drachme dann sowieso keine politische Lenkungspolitik mit einer eigenen Währung durchführen.

    Mit der Wiedereinführung der Drachme würde sich der griechische Staat eher von seinen Bürgern abkoppeln als die Griechen vom EURO.

    Für eine derartige Logik wundert es mich schon, dass eine Studie notwendig war.

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