Studie: Kleine Staaten in Mittel- und Osteuropa sind für Investoren attraktivste Standorte
Neue Märkte, geringe Kosten

Die drei mit Abstand größten neuen EU-Staaten Polen, Tschechien und Ungarn verlieren für westliche Investoren an Attraktivität und drohen gegenüber kleineren Reformstaaten in der Region zurückzufallen. Dies ist das Ergebnis einer breit angelegten Studie der Deka-Bank zu den Stärken und Schwächen der bisherigen und künftigen EU-Beitrittsländer in Mittel- und Osteuropa (MOE).

DÜSSELDORF. Das Ranking, das die Bank fast auf den Tag genau 100 Tage nach der EU-Osterweiterung präsentiert, liegt dem Handelsblatt exklusiv vor. Am schlechtesten schneidet das einstige Vorzeigeland Slowenien ab.

Die Deka-Studie basiert auf 18 Einzelindikatoren und will deutschen Unternehmen, die eine Investition in den MOE-Staaten erwägen, Entscheidungshilfen bei der Standortwahl geben. Denn bei acht neuen EU-Mitgliedern aus der Region und zwei weiteren Ländern, die mit der EU konkret über den Beitritt verhandeln, ist die Auswahl an potenziellen Investitionsstandorten fast unüberschaubar groß – ebenso wie das Risiko, eine unternehmerische Fehlentscheidung zu treffen.

Weitere Informationen zur Deka-Studie

„Wir haben bei der Untersuchung den typischen deutschen Unternehmer vor Augen gehabt, der in der Region eine verlängerte Werkbank aufbauen will“, sagt Dietmar Hornung, Osteuropa-Experte der Bank und Vater des „Deka-Standortindikators MOE“.

Und das sind nach wie vor viele – obwohl die heimischen Großunternehmen die MOE-Staaten bereits in den frühen 90er-Jahren entdeckt haben. Doch durch den EU-Beitritt, der größere Rechtssicherheit schafft, werden die Länder zunehmend auch für kleinere Firmen interessant. „Die Attraktivität der neuen Mitglieder der EU ist für die deutsche Wirtschaft beträchtlich, die Rahmenbedingungen in diesen Ländern haben sich in den letzten Jahren spürbar verbessert“, sagt DIHK- Auslandsexperte Michael Pfeiffer. „Die Vorteile wie neue Märkte und Kosten sind gerade für den Mittelstand attraktiv.“

Doch MOE ist längst nicht gleich MOE, zeigt die Deka-Studie. „Es hat sich eine klare Spitzengruppe aus drei Ländern gebildet, die deutlich bessere Rahmenbedingungen für Investoren bieten als die anderen“, sagt Hornung. Ganz vorne im Ranking liegt die Slowakei, Litauen und Lettland. „Diese drei Länder schneiden durch die Bank bei fast allen Indikatoren gut ab, während die anderen Länder in einigen Punkten zwar gut abschneiden, in anderen Bereichen aber auch deutliche Schwächen vorzuweisen haben.“

Hauptgrund für das gute Ergebnis der Slowakei ist ihr einerseits noch sehr geringes Lohnniveau und ihr andererseits durchaus schon respektabler Produktivitätslevel – Punkte, die das Land für lohnintensive Massenproduktion attraktiv machen. So muss ein Unternehmen für eine Arbeitsstunde, die in der alten EU („EU-15“) im Schnitt 22,5 US-Dollar kostet, in der Slowakei laut Deka-Studie nur 2,20 Dollar zahlen – in Ungarn sind die Lohnkosten dagegen schon fast doppelt so hoch. Und das, obwohl die Slowaken sogar noch etwas effizienter als ihre Kollegen in Ungarn sind – ihre Arbeitsproduktivität liegt im Vergleich zur EU-15 bei 56,3 Prozent, die der Ungarn dagegen nur bei 50,3 Prozent.

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