Studie von Unternehmensberatung 26 Prozent der Manager halten Korruption für weit verbreitet

Nicht einmal jeder vierte deutsche Manager hält die ethischen Standards im eigenen Unternehmen für gut. Und doch: So schlecht steht Deutschland im Korruptionsvergleich nicht da. Der „Spitzenplatz“ geht an Kroatien.
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So korrupt sind deutsche Manager

So korrupt sind deutsche Manager

Frankfurt/MainGut jeder vierte Manager in Deutschland hält Korruption für weit verbreitet. Im europäischen Vergleich belegt die Bundesrepublik damit einen der hinteren Plätze, wie aus einer am Mittwoch in Frankfurt am Main veröffentlichten Umfrage der Unternehmensberatung EY hervorgeht. Im Südosten Europas sei Bestechung dagegen offenbar deutlich stärker verbreitet: 92 Prozent der Manager in Kroatien sind demnach der Meinung, Korruption sei im Wirtschaftsleben an der Tagesordnung, in Slowenien sind es 87 Prozent und in Serbien 84.

Besser da als Deutschland stehen der Umfrage zufolge auf dem Kontinent nur die skandinavischen Länder sowie Estland, die Schweiz und die Niederlande. Im Zweijahresvergleich sei die Korruptionswahrnehmung unter deutschen Managern leicht zurückgegangen: 2013 hielten noch 30 Prozent der Befragten Bestechung für verbreitet; 2011 sogar 46 Prozent.

Die größten Skandale in deutschen Konzernen
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Deutsche Telekom

Eigene Manager, Aufsichtsräte, Journalisten – sie alle wurden von der Deutschen Telekom bespitzelt. 2008 flogen die illegalen Aktivitäten auf, eine hohe Geldbuße gab es für den ehemaligen Staatskonzern aber nicht. Dafür wurde der ehemalige Leiter der Abteilung Konzernsicherheit zu über drei Jahren Haft verurteilt.

VW-Konzern legt besten Maerz aller Zeiten hin
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2005: Bestechungsskandal bei Volkswagen

Mit Reisen im Firmenjet und Luxus-Nutten brachte die Firmenleitung von Volkswagen seinen Betriebsrat auf Linie. 2005 wurde der Korruptionsskandal öffentlich, in dessen Folge auch der ehemalige Personalvorstand Peter Hartz, bekannt als der Namensgeber des Hartz-Konzept, zurücktrat. Auch gegen mehrere SPD-Politiker wurde Anklage erhoben.

Daimler verbessert Quartalsgewinn
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2010: Bestechungsskandal bei Daimler

Mal hat Daimler einem hohen Beamten in Turkmenistan eine gepanzerte S-Klasse im Wert von 300.000 Euro spendiert, mal Würdenträger in Indonesien in den Golfclub eingeladen. Als Strafe musste der Autohersteller 2010 in den USA insgesamt 185 Millionen Dollar zahlen. Über zehn Jahre wurden weltweit Regierungsbeamte mit Bargeld und Geschenken bestochen, um an lukrative Aufträge zu kommen - und das nicht nur im Ausland. Zur Zeit ermittelt die Staatsanwalt Stuttgart gegen Daimler-Mitarbeiter wegen Bestechung.

Germany Deutsche Bank Earns
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2011: Deutsche Bank, der Auslöser der Finanzkrise

Schauplatz New York: Wegen der Pleite von fünf US-Genossenschaftsbanken während der Finanzkrise musste die Deutsche Bank 145 Millionen Dollar zahlen. Das Finanzinstitut hat in einem außergerichtlichen Vergleich der Zahlung zugestimmt – für schuldig bekannte sich die Deutsche Bank allerdings nicht. Ihr wurde vorgeworfen, den Genossenschaftsbanken riskante Produkte angeboten zu haben – ohne diese ausreichend über die Risiken aufzuklären. Nach einem Bericht des US-Senats soll die Bank auch wegen dieser Verkaufspraktiken neben Goldman Sachs und den Ratingagenturen einer der Hauptauslöser für die Finanzkrise gewesen sein. Damit hat die Deutsche Bank vor allem in den USA einiges Vertrauen seiner Kunden eingebüßt. Dass die Deutsche Bank auch im Libor-Skandal von der US-Staatsanwaltschaft vorgeladen wurde, macht die Lage nicht besser.

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Eon und Gaz des France

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes warf  Eon und Gaz de France (GDF) eine „Ausbeutung der Verbraucher“ vor – die Folge war eine Kartellstrafe von jeweils über 550 Millionen Euro. Die beiden Konzerne sollen sich beim Bau einer Pipeline Mitte der 1970er-Jahre illegal abgesprochen haben.

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2003: Das Zementkartell um Heidelberg Cement

Sie trieben die Preise immer weiter künstlich in die Höhe: 2003 enttarnte das Bundeskartellamt das sogenannte Zementkartell. Heidelberg Cement muss die höchste Strafe zahlen – 170 Millionen Euro Bußgeld.

Henkel veroeffentlicht Jahresergebnis
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Henkel

Die Henkel AG wirbt für ihr Waschmittel Persil. Die Geschäftspraktiken des Konsumgüterriesen seien aber nicht immer sauber – meint das französische Kartellamt: Henkel soll Absprachen mit Wettbewerbern getroffen haben, deshalb über 92 Millionen Euro Strafe zahlen. Der Düsseldorfer Konzern will gegen das Urteil aus dem vergangenen Jahr klagen. 

Im Fall einer Notlage des Unternehmens würden elf Prozent der Manager auch Bargeld zahlen, um Aufträge zu akquirieren, ergab die Umfrage. Deutschland liegt damit genau im westeuropäischen Mittel. In Griechenland ist die Bereitschaft für Schmiergeldzahlungen in Notlagen mit 37 Prozent deutlich höher. Getoppt wird dieser Wert der Umfrage zufolge nur von der Türkei mit 43 Prozent.

Mehr als jeder dritte Manager glaubt laut Umfrage, dass die Schönung von Finanzergebnissen in Deutschland weit verbreitet sei. Im Gegensatz zur Korruptionswahrnehmung stieg der Anteil hier von 34 Prozent 2013 auf 36 Prozent. Laut EY halten nur 23 Prozent der deutschen Manager die ethischen Standards in ihrem eigenen Unternehmen für gut – weniger als in westeuropäischen Vergleich mit 26 Prozent. Acht Prozent von ihnen hätten sogar angegeben, dass es im vergangenen Jahr zur „Untererfassung von Kosten“ gekommen sei.

„Schwere Zeiten werden für viele Unternehmen zunehmend zum Normalfall – rechtfertigen aber nicht den Einsatz unsauberer Methoden“, erklärte Stefan Heißner von EY. Da fast immer Hinweise aus den Unternehmen selbst Auslöser seien, um Korruption aufzudecken, forderte Heißner Unternehmen auf, Hotlines für Informanten einzurichten.

EY befragte für die Umfrage nach eigenen Angaben knapp 3800 Manager – etwa Finanzvorstände oder Leiter von Rechtsabteilungen in 38 Ländern. 100 davon kamen aus Deutschland.

  • afp
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