Studie zu Jobverlust
Warum die Krise Leib und Leben gefährdet

Die Wirtschaftskrise könnte allein in Europa Tausende Menschen das Leben kosten. Britische Forscher errechneten in einer Studie, dass die psychischen Belastungen durch den Verlust von Arbeitplätzen zu einem Anstieg von Herzinfarkten, Suiziden und Tötungsdelikten führen. Sie raten den Regierungen, mehr Geld in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zu investieren.

HB FRANKFURT/MAIN. Die Wissenschaftler um den Epidemiologen David Stuckler von der Universität Oxford glichen in Europa für den Zeitraum zwischen den Jahren 1970 und 2007 die häufigsten Todesursachen mit den jeweils herrschenden Arbeitslosenquoten ab. Resultat: Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um ein Prozent erhöht die Suizidrate bei Menschen unter 65 Jahren um etwa 0,8 Prozent. Dies entspräche für das Gebiet der EU etwa 60 bis 550 zusätzlichen Selbsttötungen.

Auch Todesfälle durch Alkoholmissbrauch, Tötungsdelikte oder Herzinfarkte steigen mit zunehmender Arbeitslosigkeit, wie die Forscher in der Zeitschrift „The Lancet“ schreiben. Stiege die Zahl der Menschen ohne Job um mehr als drei Prozent, rechnen die Forscher mit 4,5 Prozent mehr Selbsttötungen und 28 Prozent mehr Todesopfern durch Alkoholkonsum.

In der Studie beschränkten sich die Autoren lediglich auf die Folgen der Krise für die Sterberate, nicht dagegen etwa für Erkrankungen oder Lebensqualität. „Suizide sind nur die Spitze des Eisbergs“, räumt Mitverfasser Martin McKee von der London School of Hygiene & Tropical Medicine ein. „Steigende Suizidraten stehen für viele gescheiterte Selbstmordversuche und eine große mentale Belastung von Beschäftigten und ihren Familien.“

Um diese Folgen abzuwenden, raten die Forscher den Regierungen, mehr Geld in den Erhalt von Arbeitsplätzen zu investieren. „Die Finanzkrise bringt viele gewöhnliche Menschen in Not, aber sie muss sie nicht das Leben kosten“, sagt Stuckler. „Unsere Resultate zeigen, dass Investitionen in aktive Arbeitsmarktprogramme sowohl der Wirtschaft helfen als auch Leben retten können."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%