Studie zur Jugendarbeitslosigkeit
Europa droht eine „verlorene Generation“

Die Internationale Arbeitsorganisation ILO warnt vor der Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Vor allem die Sparmaßnahmen behinderten eine Erholung der Arbeitsmärkte. Jetzt drohe dem Kontinent eine „verlorene Generation“.
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Die mit der Finanz- und Wirtschaftskrise drastisch gestiegene Jugendarbeitslosigkeit in Europa wird nach einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) mindestens bis 2016 auf „dramatisch hohen Niveaus“ verharren. Es drohe deshalb eine „verlorene Generation“ heranzuwachsen, warnt die ILO in dem Report „Global Employment Trends Youth 2012“, der dem Handelsblatt vorliegt. Die in Genf ansässige UNO-Organisation empfiehlt den Regierungen daher einen Ausbau der aktiven Arbeitsmarktpolitik. „Der seit der Wirtschaftskrise eingeschlagene Sparkurs behindert eine rasche Erholung der Arbeitsmärkte für Jugendliche“, heißt es in der 56-seitigen Studie, die am Dienstag offiziell vorgestellt werden soll.

Im Durchschnitt der Europäischen Union und der anderen entwickelten Industrieregionen hat sich die Arbeitslosenquote in der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen nach den Berechnungen der ILO von 2008 bis 2011 um 26,5 Prozent erhöht. Der Anstieg war damit in diesen drei Jahren so stark wie in keiner anderen Weltregion. Im globalen Durchschnitt habe die Jugendarbeitslosigkeit seit Beginn der Krise um 5,3 Prozent zugenommen, weist die Studie aus. Nach den jüngsten Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat hatte die Quote der arbeitslosen Jugendlichen in den 17 Ländern der Euro-Zone im März 2012 das Rekordniveau von durchschnittlich 22,1 Prozent erreicht.

Die reale Lage ist nach der Analyse der ILO „noch schlechter, weil sich junge Menschen in massiver Zahl vom Arbeitsmarkt zurückgezogen haben“. Die Arbeitsorganisation mahnt daher an, Beschäftigungspolitik für junge Menschen „zu einer Priorität auf der politischen Agenda“ der Regierungen zu machen.

In der Debatte über die Sparpolitik in den Euro-Krisenstaaten gibt die Analyse der ILO damit den Befürwortern einer stärkeren Wachstumsförderung Rückenwind. SPD-Chef Sigmar Gabriel stufte die Analyse als „alarmierend“ ein. „Wir brauchen vor allem ein Sofortprogramm zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Ländern wie Griechenland oder Spanien, wo inzwischen jeder zweite Jugendliche keine Arbeit hat“, sagte Gabriel dem Handelsblatt. Insgesamt zeige sich nun für die SPD, „dass wir mit unserer Forderung, die Konsolidierungspolitik um einen Pakt für Wachstum und Beschäftigung zu ergänzen, richtig liegen“, betonte der Parteichef.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs wollen sich am Mittwochabend in Brüssel treffen und sich darüber abzustimmen, wie der EU-Fiskalpakt um einen Wachstumspakt ergänzt werden könnte.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Studie zur Jugendarbeitslosigkeit: Europa droht eine „verlorene Generation“"

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  • Zustimmung. Und wir verlieren schon seit 2-3 Jahrzehnten Generationen (jedes Jahr ca. 50.000 - 60.000 Angänger ohne Schulabschluss, alleine in DE.

  • Leider wird die Jugendarbeitslosigkeit inkauf genommen. Die Folge wird ein Generetionenkonflikt nie gekannten Ausmaßes sein. Wer aus monetären Gründen jungen Mensche den Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt verweigert, wird einen sehr hohen Preis bezahlen müssen. Blockupy ist nur der Anfang. Das Ende könnte ein Europäischer Herbst in Anspielung auf den Deutschen Herbst 1977 sein. Wollen das die Regierenden wirklich?

  • ...und diese Jugendlichen sind allesamt pro Europa!

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