Studie zur Luftverschmutzung
Tödlicher Feinstaub

Düstere Zukunftsprognosen

In Europa sind Feuerstellen und Stromgeneratoren inzwischen Geschichte. Für die meisten Smogtoten ist hier die Landwirtschaft verantwortlich. Denn durch übermäßige Verwendung von Düngemitteln und Massentierhaltung gelangt Ammoniak in großen Mengen in die Atmosphäre und begünstig die Entstehung von Feinstaub.

In Deutschland sind die Emissionen aus der Landwirtschaft für fast die Hälfte der Toten verantwortlich. Die vielgescholtenen Industrieunternehmen machen laut Studie nur rund 13 Prozent aus.

Mit insgesamt 34.000 Emissionsopfern führt Deutschland die Statistik in Westeuropa an. Die Gründe: Neben dichter Besiedlung und intensiver Landwirtschaft, spielt auch die zentrale Lage des Landes eine Rolle. Nach Deutschland würde auch viel Smog aus den Nachbarländern herüberwabern, so die Studie.

Zudem hat der Verkehr im Land der Autofahrer auch einen deutlich höheren Anteil an den hohen Feinstaubwerten als anderswo. Die 7.000 Opfer, die in Deutschland wegen der Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr sterben, werden nur von den deutlich bevölkerungsreicheren Länder China, Indien, USA und Russland übertroffen. Der Anteil an der Gesamtzahl der Todesopfer in der Bunderepublik liegt mit 20 Prozent auch ungewöhnlich hoch – weltweit liegt er im Schnitt bei 5 Prozent.

Die Wissenschaftler des Max-Planck-Institut haben zudem auch düstere Zukunftsprognosen: Sollte die Politik keine Gesetze zur Beschränkung der Emissionen beschließen, dann könnte sich die Zahl der Toten bis 2050 auf 6,6 Millionen Menschen verdoppeln. Besonders stark wären Süd- und Ostasien betroffen. Doch auch Europa und die USA müssen mit einem Zuwachs rechnen – wenn auch nicht ganz so rapide.

Die Zahl der Smogopfer wird vor allem in den größeren Städten drastisch ansteigen, so die Prognose: In London etwa könnte die Zahl der Todesopfer von jährlich 2.800 auf 4.200 steigen, in Moskau von 8.600 auf 11.700. Das ist aber noch kein Vergleich zu asiatischen Metropolen wie etwa dem indischen Kalkutta: Heute sterben dort 13.500 Menschen jährlich durch Luftverschmutzung – für 2050 prognostizieren die Wissenschaftler bis zu 54.800 Todesopfer. Natürlich immer nur, solange die Regierungen weiterhin „Business as usual“ betreiben.

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Lars-Thorben Niggehoff
Lars-Thorben Niggehoff
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
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