Studienentwurf
Türkei-Beitritt könnte EU 28 Milliarden Euro jährlich kosten

Die EU hat untersuchen lassen, welche Vor- und Nachteile ein Beitritt der Türkei für die Europäische Union haben würde. Eine herausragende Erkenntnis: Die Netto-Kosten eines Beitritts könnten nach Abzug türkischer EU-Beiträge zwischen 16 und knapp 28 Milliarden Euro jährlich liegen.

HB BRÜSSEL. Diese Schätzung stammt aus der Studie von EU-Kommissar Günther Verheugen, auf Grund derer die EU-Kommission nächste Woche über die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei entscheiden will. Langfristig könnten 500 000 bis vier Millionen Türken auswandern. Die Kommission erwarte, dass der größte Teil „höchstwahrscheinlich nach Deutschland“ strebe. Die EU könnte jedoch lange Übergangsperioden und Schutzklauseln vereinbaren.

Die wirtschaftlichen Folgen eines Türkei-Beitritts seien für die EU „positiv, aber relativ klein“, da die Wirtschaftskraft des Landes nur bei zwei Prozent der EU liege. Außenpolitisch werde die EU hingegen an Gewicht gewinnen. Auf Europa komme die Herausforderung zu, sich im Nahen Osten oder im Kaukasus „als vollwertiger politischer Spieler“ zu beweisen. „Der Beitritt der Türkei zur Union wäre für die Türkei wie für die EU eine Herausforderung“, zitierte die Zeitung aus dem Bericht. Aber „falls er gut gesteuert wird, würde er beiden große Möglichkeiten bieten“.

Bei einer Aufnahme im Jahr 2015 hätte die Türkei im Jahr 2025 Anspruch auf Transferzahlungen zwischen 22,1 und 33,5 Milliarden Euro jährlich. Da Ankara umgekehrt Beitragszahlungen von 5,6 Milliarden Euro an Brüssel leisten müsste, würde die Türkei netto maximal 27,9 Milliarden erhalten. Dies seien jedoch nur Schätzwerte, da sich bis 2025 Brüssels Agrar- und Strukturpolitik verändern werde. Auch legt die Studie nahe, die Fördermittel aus den EU-Strukturfonds auf zwei Prozent des türkischen Bruttosozialprodukts zu beschränken. Das würde die Netto-Transfers auf jährlich 16,5 Milliarden Euro verringern.

Die EU-Beamten bescheinigten der Türkei laut Zeitungsbericht eine „substantielle Annäherung an europäische Standards“. Zwar gebe es „weiterhin zahlreiche Fälle von Folter und insbesondere von Misshandlungen“, doch sei diese „Folter nicht mehr systematisch“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%