Studiengebühren
Gewalt in Großbritannien trifft Prinz Charles

Schon vorher war es zu Ausschreitungen gekommen. Doch auch nachdem die britische Regierung im Unterhaus eine drastische Erhöhung der Studiengebühren durchgesetzt hat, gehen die Randale weiter. Auch Prinz Charles und seine Frau Camilla wurden angegriffen.
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HB LONDON. Während auf den Straßen Tausende Schüler und Studenten teils gewalttätig protestierten, hat das britische Unterhaus eine drastische Erhöhung der Studiengebühren beschlossen. Mit einer knappen Mehrheit von 323 Ja-Stimmen gegen 302 Ablehnungen setzte die Koalition aus Konservativen und Liberaldemokraten am Donnerstag die neue Regelung druch. Sie sieht eine Verdreifachung der Obergrenze für Gebühren vor, die Universitäten erheben dürfen, und zwar auf 9000 Pfund (10 700 Euro) pro Jahr. Auf der Straße brannten derweil Feuer und es kam zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Kleine Gruppen von Studenten warfen Leucht- und Farbbomben sowie Billardkugeln auf die Beamten und rissen die Absperrungen nieder. Nach Angaben der Polizei wurden 13 Demonstranten und sechs Beamte verletzt, ein Polizist schwer. Sieben Personen wurden festgenommen.

Protestierende Studenten griffen am Donnerstagabend in London ein Auto an, in dem Prinz Charles und seine Frau Camilla saßen. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP beobachtete, wie Demonstranten gegen das Auto traten. Der Zwischenfall ereignete sich in der Regent Street im Zentrum der britischen Hauptstadt.

Charles und seine Ehefrau Camilla seien unverletzt, sagte ein Sprecher des Prinzen am Donnerstagabend. Sie seien auf dem Weg zu einer Variete-Vorstellung gewesen, als sie attackiert worden seien. Charles und Camilla trafen wenig später unbeschadet am Veranstaltungsort ein.

Bereits am Mittag waren tausende Studenten, Schüler, Universitätsmitarbeiter, Eltern und Gewerkschaftsmitglieder in einem Protestmarsch Richtung Parlament gezogen. Nach Angaben von Demonstranten sollen es bis zu 30 000 Teilnehmer gewesen sein. Von der Polizei gab es keine offiziellen Zahlen. Kritiker der Gebührenerhöhung fürchten, dass Kinder aus weniger wohlhabendem Elternhaus künftig nicht mehr studieren können. Stattdessen hätten solche aus reichem Hause mehr Vorteile.

Am Nachmittag passierte dann, was viele befürchtet hatten: bei heftigen Ausschreitungen flogen Steine, Flaschen und Farbbeutel. Parkbänke auf dem Platz vor dem Parlament gingen in Flammen auf, auch am Abend loderten Feuer. Ein Großteil der Demonstranten blieb allerdings friedlich. Wie in London wurde in zahlreichen weiteren Städten demonstriert. Gewalt gab es dabei auch im nordirischen Belfast.

Seit Wochen gibt es Proteste gegen die höheren Gebühren. Bereits Mitte November war die Lage bei einem Marsch in London eskaliert. An der Zentrale der Konservativen waren Fensterscheiben eingeschlagen worden, zahlreiche junge Leute wurden festgenommen.

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