Sturm auf Rote Moschee
Pakistanische Extremisten „kämpfen um jedes Zimmer“

Auch Stunden nach Beginn des Sturms pakistanischer Sicherheitskräfte auf die Rote Moschee in Islamabad setzen sich die verschanzten Islamisten massiv gegen ihre Gegner zur Wehr. Die Zahl der Toten soll sich inzwischen auf 60 belaufen.

HB ISLAMABAD. Der Anführer der Extremisten, der Geistliche Abdul Rashid Ghazi, verschanzte sich nach Armeeangaben mit einer unbekannten Anzahl Frauen und Kindern als Geiseln im Keller des Gebäudekomplex mit mehr als 70 Räumen.

„Es sind schwere Kämpfe im Gange. Die Extremisten haben in nahezu allen Räumen Stellung bezogen, sie kämpfen um jedes Zimmer, sie sind im Keller und auf den Treppen“, sagte Armeesprecher Generalmajor Waheed Arshad. Die militanten Moslems seien mit Schnellfeuergewehren und Granaten bewaffnet. Sie feuerten von den Minaretten auf die Sicherheitskräfte. Über dem Gebäudekomplex, in dessen Innerem es immer wieder zu Explosionen kam, stand dicker Rauch. Die eigenen Verluste bezifferte Arshad mit acht Toten und fast 30 Verletzten.

Sicherheitskreisen zufolge lehnte Ghazi vier Aufforderungen ab, sich zu ergeben. Mit wie vielen Geiseln sich der Geistliche in der Moschee verschanzt hatte, blieb zunächst unklar. Offiziellen Angaben zufolge konnten es Hunderte Frauen und Kinder sein. Etwas mehr als 50 Geiseln waren nach Beginn der Einsatzes die Flucht gelungen. Regierungsvertreter äußerten die Sorge vor Selbstmordanschlägen. Früheren Angaben zufolge hatten die Islamisten Sprengstoffgürtel verteilt.

Ghazi hat Forderungen der Regierung nach bedingungsloser Kapitulation mehrfach zurückgewiesen. Lieber wollten er und seine an den afghanischen Taliban orientierten Anhänger den Märtyrertod sterben, um so das Fanal für eine islamische Revolution zu geben. Ein gesuchter Extremist hat für den Fall des Sturms auf die Moschee mit Vergeltung gedroht. Aus Wut über die Polizeiaktion steckten in Battagram im Nordwesten des Landes 300 Demonstranten eine Zeltstadt westlicher Hilfsorganisationen in Brand.

Mehrere hundert Meter von der Moschee entfernt harrten an einer Absperrung Dutzende besorgte Eltern und Angehörige aus. Einige äußerten Wut auf die Regierung. Sein Sohn Abdullah wolle die Moschee verlassen, fürchte aber, von den Sicherheitskräften erschossen zu werden, sagte Lali Gul aus der nordwestpakistanischen Stadt Charsadda. Er habe den 16-Jährigen zuletzt am vergangenen Freitag gesprochen.

Die Sicherheitskräfte hatten in der vergangenen Woche mit der Belagerung der Roten Moschee begonnen, die seit Jahren ein Zentrum militanter Moslems ist. Vor Beginn des Sturms waren bei Kämpfen bereits mindestens 21 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 1 200 Koranschüler hatten die Moschee seither verlassen.

Oppositionspolitiker hatten Präsident Pervez Musharraf seit Monaten gedrängt, gegen die Extremisten vorzugehen. Die militanten Muslime bekämpfen Musharrafs pro-amerikanische Politik und streben eine Islamische Republik nach dem Vorbild der in Afghanistan von der Macht vertriebenen Taliban an.

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