Sturm auf „Rote Moschee“
Pakistans Armee tötet Islamistenführer Ghazi

Bis zum letzten Atemzug zu kämpfen – das hatte der pakistanische Islamistenprediger Abdul Rashid Ghazi erklärt, nachdem Sicherheitskräfte zum Sturm auf die von ihm und seinen Getreuen besetzte „Rote Moschee“ in Islamabad angesetzt hatten. Nun ist Ghazi tot: Am Abend wurde er erschossen aufgefunden.

HB ISLAMABAD. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte einen hochrangigen Beamten des pakistianischen Innenministeriums, der anonym bleiben wollte, mit den Worten: „Ich kann bestätigen, dass Ghazi tot ist. Er wurde in der letzten Phase der Gefechte getötet.“ Aus Sicherheitskreisen verlautete, Ghazis Leiche sei im Keller einer Religionsschule für Frauen auf dem Moscheegelände gefunden worden. Dort hatten sich die Islamisten nach dem Sturm der Moschee verschanzt.

Der einheimische Sender Geo TV berichtete, die Kämpfe um die Moschee seien beendet. Aus den Gebäuden auf dem Moscheegelände würden zahlreiche Leichen abtransportiert. Die Sicherheitskräfte hatten in der Nacht nach einwöchiger Belagerung zur Erstürmung der Moschee angesetzt. Die Kämpfe zogen sich bis in den Nachmittag hin. Nach Militärangaben waren in den ersten Stunden der Kämpfe bereits 50 Radikale und 8 Soldaten getötet worden.

Etwa 50 Koranschüler und 30 Koranschülerinnen seien „befreit“ worden, hieß es. Unklar war, wie viele der Koranschüler - wie vom Militär behauptet - gewaltsam von den Radikalen festgehalten wurden und wie viele freiwillig in der seit einer Woche belagerten Moschee ausgeharrt hatten.

Die Radikalen unter Führung Ghazis hatten die Errichterung eines Gottesstaates in Pakistan gefordert. Ghazi selbst hatte nach Beginn der Offensive in einem Telefoninterview erklärt: „Wir wurden aufgefordert, uns zu unterwerfen, aber wir haben es abgelehnt. Wir werden sterben, aber das Volk wird Rache nehmen an den Machthabern.“

Selbst Musik und Videos waren ihm ein Dorn im Auge

Mit Ghazi verstummt einer der prominentesten Islamisten Pakistans, unter dessen Führung zahlreiche junge Gotteskrieger herangewachsen waren. Während Pakistans Präsident Pervez Musharraf sein Land dem Westen als verlässlicher Partner im Kampf gegen den Terrorismus präsentierte, predigte Ghazi nur einen Fußmarsch vom Regierungsviertel entfernt Tausenden von Koranschülern den Heiligen Krieg.

Ghazi war ein glühender Anhänger der Taliban, El-Kaida-Chef Osama bin Laden war für ihn ein Held - aus seiner radikal-islamischen Weltanschauung machte der 1964 geborene Pakistaner nie einen Hehl. Selbstmordanschläge für den Dschihad waren für den Prediger legitim, seine Koranschüler ermutigte er, in den „Heiligen Krieg“ gegen die ausländischen Truppen im Nachbarland Afghanistan zu ziehen. „Uns bedeutet dieses Leben nichts“, sagte er noch im Frühjahr.

Ghazi kämpfte darum, in ganz Pakistan das islamische Recht zu verankern. Zur Untermauerung seiner Worte setzte der Familienvater selber ein Scharia-Gericht in der „Roten Moschee“ ein - es war eine der vielen medienwirksamen Aktionen, mit denen Ghazi Musharraf provozierte. Der Prediger warf dem Präsidenten vor, mit der Überstellung von Terrorverdächtigen an die USA „Muslime wie Vieh an Ungläubige“ auszuliefern. Die Anhänger des Predigers verschleppten angebliche Prostituierte zur Umerziehung, sie forderten Besitzer von Video- und Musikläden zur Schließung auf - ganz im Stile der von ihnen verehrten Taliban.

Musharraf sah dem Treiben jahrelang hilflos zu - möglicherweise zu spät. Ghazi und sein in der vergangenen Woche festgenommener Bruder Maulana Abdul Aziz hatten die „Rote Moschee“ geführt, seit ihr Vater Maulana Abdullah in dem Gotteshaus Ende der 90er Jahre ermordet wurde. Ghazi folgte seinem Vater nun nach - auch er fand den Tod in der „Roten Moschee“.

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