Sturz
Früherer EU-Kommissar Van Miert gestorben

Nach einem Sturz von einer Leiter in seinem Garten ist der frühere EU-Wettbewerbskommissar Karel Van Miert gestorben. Der Belgier galt als „überzeugter Europäer“.

BRÜSSEL. In Deutschland brachte er es zu einer Prominenz, die EU-Kommissaren nur selten vergönnt ist: Karel van Miert gehörte der Brüsseler Behörde von 1989 bis 1999 an und war dort erst für Verkehrspolitik und dann für Wettbewerb zuständig. starb van Miert im Alter von 67 Jahren an den Folgen eines Sturzes von der Leiter in seinem Garten.

Deutsche Spitzenpolitiker und Topmanager lehrte der Flame das Fürchten. Ferdinand Piech zum Beispiel, damals VW-Vorstandschef, soll in van Mierts Büro getobt haben. Dennoch schreckte er nicht davor zurück, VW zur Rückzahlung illegal kassierter Subventionen zu zwingen und eine Rekord-Kartellstrafe gegen den deutschen Autokonzern zu verhängen.

Bertelsmann und Leo Kirch lernten die harte Hand van Mierts kennen, als sie gemeinsam einen digitalen TV-Decoder vermarkten und so den neu entstehenden Pay-TV-Markt dominieren wollten. Van Miert untersagte das Projekt und legte sich dabei mit Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl an. Der hatte zugunsten seines Freundes Kirch in Brüssel interveniert. Großes Aufsehen erregte Van Miert zudem, als er gegen die deutsche Buchpreisbindung und gegen die Vermarktung internationaler Fußballspiele durch den Deutschen Fußballbund vorging. Meriten erwarb sich van Miert auch mit der Liberalisierung des europäischen Luftverkehrs und des einst von Staatsmonopolisten dominierten Telekom-Sektors. Van Miert war auch der erste EU-Wettbewerbskommissar, der massiv in den US-Markt eingriff: Er verbot die Fusion der Flugzeughersteller Boeing und McDonnel Douglas – und erleichterte so indirekt den Aufstieg von Airbus.

Dass sich van Miert einmal in Brüssel als liberaler Anwalt des freien Wettbewerbs profilieren würde, war zu Beginn seiner politischen Karriere nicht absehbar. Vor seinem Wechsel in die EU-Kommission war er zehn Jahre Vorsitzender der flämischen Sozialisten. Er glaubte an die soziale Marktwirtschaft: Ein freier Wettbewerb nütze den Verbrauchern und habe deshalb auch eine soziale Dimension.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%