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Subkontinent investiert massiv in akademische Ausbildung: Deutsche Forscher suchen in Indien Talente

Indien unternimmt gigantische Anstrengungen, Millionen zusätzlicher Akademiker auszubilden. Der bis 2012 laufende Fünfjahresplan sieht eine Verfünffachung der Ausgaben für Bildung vor; die für Forschung sollen sogar verzehnfacht werden. Von der Offensive wollen auch deutsche Universitäten und Forschungsinstitute profitieren.

In Relation zu den 1,2 Milliarden Indern ist der Akademikernachwuchs zwar noch gering. Doch das Humankapital dort wächst millionenfach heran. Quelle: ap
In Relation zu den 1,2 Milliarden Indern ist der Akademikernachwuchs zwar noch gering. Doch das Humankapital dort wächst millionenfach heran. Quelle: ap

DELHI. Deutsche Lehr- und Forschungsanstalten suchen im Wettbewerb um kluge Köpfe auch zwischen Bombay und Kalkutta nach neuen Talenten. Nach solche wie Iyoti Aneja. Die 19-Jährige will Physikerin werden – „mit Zwischenstation im britischen Cambridge, in Berkeley/USA oder einem deutschen Max-Planck-Institut“, wie sie sagt. Die Frau mit dem schwarzen Zopf und dem Brillantstecker im Nasenflügel hat „die beste Highschool Delhis“ besucht und studiert an der renommierten Delhi University. Iyoti knüpft schon „Kontakte zu Indern, die bei Max-Planck sind“. Ihre Chance, bei dieser deutschen Forschungsgesellschaft zu landen, ist gut: Mittlerweile arbeiten dort 506 indische Wissenschaftler. Das ist die zweitgrößte Gruppe nach 711 Chinesen. 2005 lagen die Russen und US-Amerikaner noch vor den Indern.

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Wie Iyoti haben Millionen junger Inder nichts im Sinn als eine exzellente Ausbildung, büffeln unermüdlich für den Aufnahmetest zur Uni. Die Nachfrage ist viel größer als das Angebot – Indien steckt im Bildungsfieber. „Erstmals in der Geschichte herrscht hier die Einsicht, dass die Wissenschaft viel mehr für die Nation tun muss“, sagt Forschungsstaatssekretär Thirumalachari Ramasami. Für Deutschland heißt das: „Auf der Suche nach Exzellenz ist deutsch-indische Kooperation ein Muss“, sagt der Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Jörg Hacker. Die DFG eröffnete 2006 eine Niederlassung in Indien – die vierte weltweit.

„Stark sind Indiens Forscher vor allem in Weltraumforschung, Bio- und Nanotechnologie“, sagt Heinz Wirth, Wissenschaftsrat der deutschen Botschaft. „Unsere Hochschulen müssen mit Indien zusammenarbeiten, um keine Chancen zu verpassen.“ Die Zahl der Kooperationen ist massiv gestiegen. 2008 haben die Unis Heidelberg, FU Berlin, TU München und Göttingen Büros vor Ort gegründet. Flankiert wird der Austausch massiv vom Bund – die Kanzlerin persönlich startete 2007 mit Indiens Premier den „Science-Express“, der deutsche Forschung im Subkontinent publik machte. Derzeit studieren rund 4 000 Inder in Deutschland. Der DAAD förderte zuletzt gut 700 indische Studenten und Forscher – davon 70 Prozent Naturwissenschaftler und Ingenieure. 2009 wird die Förderung durch das Programm „A new passage to India“ kräftig aufgestockt.

Der neue Indien-Hype in der Forschung folgt der schon älteren China-Begeisterung. In China gibt es pro eine Million Einwohner schon rund 1 200 Forscher – in Indien erst 112. Die Kooperation mit Chinesen verlief allerdings vielfach schwieriger als anfangs erhofft. Inder punkten vor allem mit perfektem Englisch. Dazu kommt Kreativität: „Chinesen kopieren viel, Indien versucht, eigene Entwicklungen voranzutreiben, etwa eine grüne Revolution in der Landwirtschaft“, sagt Felix Kahle von der Max-Planck-Gesellschaft. „Zudem produzieren wir pro Dollar doppelt so viele Patente und dreimal so viele Publikationen wie China“, wirbt Staatssekretär Ramasami.

In Relation zu den 1,2 Milliarden Indern ist der Akademikernachwuchs zwar noch gering. Doch während in Deutschland schon ein paar tausend Zusatz-Studenten gefeiert werden, wächst in der größten Demokratie der Welt millionenfach Humankapital heran: 2007 beendeten knapp 13 Millionen junge Inder die Highschool – viermal so viele wie vor 15 Jahren. 2035 sollen es bereits 30 Millionen sein. Zu den 17 Bundesuniversitäten sollen 30 neue hinzukommen. Auch die berühmten sieben Indian Institutes of Technology (IIT) erhalten neue Schwesterinstitute. Vervielfachen soll sich die Zahl der International Institutes of Information Technology. „Im Laufe des aktuellen Fünfjahresplans wollen wir die akademische Ausbildung verdoppeln“, sagt Ramasami. „Und damit die Verbreiterung des Systems das Niveau nicht senkt, planen wir 14 neue Exzellenzunis.“

Um dafür auch Landsleute aus dem Ausland zurückzulocken, wurden Gehälter flächendeckend massiv erhöht. „Wir hoffen auf die Diaspora – und sind sehr erfreut über den Niedergang des US-Wirtschaft“, räumt Ramasami ein. Abwerbeversuche des Auslands dagegen stoßen auf Widerwillen. Weil das Land vor allem Naturwissenschaftler halten will, setzt der DAAD auf Sandwichmodelle, bei denen Doktoranden sowohl in Deutschland als auch in der Heimat gefördert werden.

Behindert wird Indiens Aufstieg zur Bildungsmacht von einem Spezialproblem: Traditionell sind 22,5 Prozent der Studienplätze für untere Hindu-Kasten reserviert. 2008 räumte Delhi den Stammesgemeinschaften zusätzlich 27 Prozent ein. Iyoti ärgert das: „Ich hatte 90 Punkte im Uni-Aufnahmetest und musste Platz machen für einen mit nur 60. Langfristig verliert Indien doch dabei.“

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