Subprime-Krise
Obama will Hypothekenbanken Zügel anlegen

Die US-Politik reagierte bislang hilflos auf die Subprime-Krise. Nun meldete sich erstmals einer der US-Präsidentschaftskandidaten deutlicher zu Wort. Geht es nach Barack Obama, Hauptrivale von Senatorin Hillary Clinton bei den Demokraten, werden den US-Hypothekenbanken künftig schwere Ketten angelegt.

co/HB DÜSSELDORF. Die ausufernde US-Immobilien- und -Hypotheken-Krise lässt sich auf einen Nenner bringen: Erst die Gier und jetzt die große Angst. Erst hatten rasant steigende amerikanische Immobilienpreise die Gier bei den amerikanischen Hausbesitzern und bei den Geldgebern für Hypothekenkredite verstärkt. Sie führte zu einem beispiellosen Bau- und Immobilienmarktboom und zu einer Spekulationswelle mit einer teilweisen Verdoppelung der Immobilienpreise während der vergangenen fünf Jahre. Nun geht auf den Märkten trotz der Beruhigungspillen durch die Notenbanken die Angst um.

Die US-Politik reagierte bislang hilflos auf die Subprime-Krise. Nun meldete sich erstmals einer der US-Präsidentschaftskandidaten deutlicher zu Wort. In einem Gastbeitrag für die „Financial Times“ griff er die Regierung von Präsident George W. Bush und die Immobilien-Lobbyisten scharf an. „Der Kollaps des US-Hypothekenmarkes ist mehr als ein vorübergehendes Phänomen“, schreibt Obama. Er vergleicht die Subprime-Krise mit einem „Geschwür“, „das verheerende Auswirkungen auf den Immobilienmarkt und die ganze Wirtschaft hat“. Fast jeder, so Obama, habe sich selbst getäuscht mit der Annahme, dass das Risiko gering sei.

Obama sieht zudem massive Versäumnisse der US-Regierung. „Sie hat keine regelmäßigen Detailprüfungen vorgenommen, die die jetzige Krise hätten verhindern können.“ Als Grund nennt er den Einfluss der Lobbyisten auf die Politik. Damit müsse Schluss sein, schreibt Obama. Daher habe er ein „Betrüger-Stopp-Gesetz“ in den US-Senat eingebracht, dass diejenigen, die Hypotheken-Betrug begehen, als Kriminelle einstuft. Zudem schlägt Obama ein „Home Score“-System vor, das seiner Ansicht nach ein einfacheres Verfahren für Hypotheken darstellt. „Es erlaubt angehenden Hauskäufern, verschiedene Produkte miteinander zu vergleichen, so dass sie herausfinden können, ob sie den Zahlungen auch tatsächlich nachkommen können.“

Obama sieht die Amerikaner in einem Dilemma. Rund 70 Prozent der 300 Millionen US-Bürger leben in den eigenen vier Wänden, sprich: Sie besitzen Einfamilienhäuser oder Eigentumswohnungen. Sie fühlten sich reich und trieben die US-Konjunktur mit dem Konsum auf Pump an. Bei steigenden Hauspreisen nutzten sie die dramatische Niedrigzinspolitik der US-Notenbank nach den Terroranschlägen vom 11. September für ständige Umschuldungen ihrer Hypothekenkredite. Millionen verschafften sich zusätzlich sogenannte „Home Equity Loans“, sprich Kreditlinien, die mit einer zweiten Hypothek auf das eigene Haus abgesichert waren.

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