Substanz statt Präsentation
Brown rückt von Blairs Stil ab

Blairs vermutlicher Nachfolger Gordon Brown hat eine „demütige Regierung“ versprochen. Seine erste Programmrede am Freitag wirkte fast amateurhaft traditionell. Dennoch hat er eine Flut von Ideen, darunter ein Wohnungsbauprogramm und Verfassungsreformen.

LONDON. Mit einer Kampagne des „Zuhörens und Lernens“ hat der Labourspitzenpolitiker Gordon Brown den Kampf um die Nachfolge von Premier Tony Blair begonnen. Allerdings hat Brown auch schon eine Flut neuer Initiativen und Programme parat. So kündigte er ein ehrgeiziges neues Wohnungsbauprogramm und Verfassungsreformen an. Auch eine Bestandsaufnahme der Irakpolitik steht auf dem Programm.

Nach der theatralischen Emotionalität von Tony Blairs Abschied als Parteichef war die erste Programmrede Browns am Freitag fast amateurhaft traditionell. „Ich war nie der Auffassung, dass Präsentation substantielle Politik ersetzen kann“, sagte Brown in einer klaren Spitze gegen Blair und gelobte eine „demütige Regierung“. Bewusst bieder ist auch Browns Slogan „Gordon Brown for Britain“. Doch versuchte er auch sein sprödes Image zu lockern: Bei einem Auftritt am Sonntag in Brighton folgte er dem Beispiel seines konservativen Gegenspielers David Cameron und legte die Krawatte ab.

Browns Wahl zum neuen Labourparteichef und sein Einzug als Premier in die Downing Street Nummer 10 am 27. Juni gilt als sicher. Wenn er sein Regierungsmandat sichern und die nächste Parlamentswahl vermutlich 2009 gewinnen will, muss er aber Labours enttäuschte und zersprengte Wählerkoalition der Mitte wieder zusammenbringen und den erfolgreichen Vormarsch der Konservativen in die politische Mitte bremsen. Dies verlangt eine sorgfältig austarierte Mischung aus Kontinuität und Neubeginn.

„Die Erneuerung ist eine Herausforderung, auf die ich mich freue“, sagte Blair gestern in einem Interview mit der BBC. Während von der Website der Labourpartei das New Labour-Logo über Nacht verschwand, machte Brown in der Sache aber deutlich, dass er am Kurs der Mitte festhalten wird.

Er werde ein „Großbritannien der Fairness und der Chancen“ schaffen, versprach Brown in seiner ersten Programmrede. „Wer hart arbeitet, wird es besser haben. Wer spart, wird dafür belohnt. Wer sich an die Regeln hält, hat unseren Schutz“. In der BBC stellte er sich hinter „Ehrgeiz und den Wunsch nach Fortkommen“ und sagte, er werde eine Demokratie schaffen, in der die Menschen „Eigenheime, Vermögen und Wohlstand besitzen“.

Als erstes konkretes Projekt wird Brown am Montag den Bau von fünf neuen, CO2-neutralen Ökostädten und die Steigerung des Wohnungsbaus auf mindestens 200 000 Einheiten im Jahr ankündigen – die erste davon auf einem ehemaligen Armeegelände bei Cambridge. Die Initiative wendet sich direkt an junge Familien und Facharbeiter, denen der britische Hauspreisboom den Sprung zum Immobilienbesitzer unmöglich macht.

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