Suche nach dem Diktator
Rebellenführer will Gaddafi aufgespürt haben

Alle wollen Gaddafi: Rebellen und Spezialeinheiten der Nato durchsuchen Tripolis und Umgebung. Ein örtlicher Kommandeur der Aufständischen ist sich sicher: Seine Männer haben den geflohenen Diktator eingekreist.
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TripolisGaddafi sei in einem Wohnkomplex nahe seines Militärhauptquartiers aufgespürt worden, sagte der Kommandeur am Donnerstag dem US-Nachrichtensender CNN. Im sozialen Netzwerk Facebook bezweifelten in Tripolis lebende Libyer diese Angaben. Demnach sei völlig unklar, wer sich in dem Haus aufhalte. Andere Rebellenführer hatten am Donnerstag vermutet, dass sich Gaddafi außerhalb der Hauptstadt Tripolis aufhalte. Für Gaddafi wird es in jedem Fall immer enger. Nachdem bereits ein Kopfgeld auf den Despoten ausgelobt wurde, hilft jetzt auch die Nato bei der Suche nach ihm. Gaddafis letzte Anhänger lieferten sich indessen auch am Donnerstag heftige Gefechte mit Aufständischen, sowohl in der Hauptstadt Tripolis als auch in anderen Landesteilen.

Mit Italien kündigte ein weiteres Land an, eingefrorene Gelder des Gaddafi-Clans freizugeben. Vier am Mittwoch in Libyen entführte italienische Journalisten sind wieder frei. Die Nato stelle dem Übergangsrat in Libyen sowohl Geheimdienstinformationen als auch Mittel zur Aufklärung und Erkundung zur Verfügung, sagte der britische Verteidigungsminister Liam Fox am Donnerstag in London in einem Interview des Senders BBC.
Die Zeitung „Daily Telegraph“ hatte zuvor berichtet, eine Spezialeinheit der britischen Armee suche nach Gaddafi und dessen Söhnen suche. Die Elitesoldaten hätten sich als Einheimische verkleidet.

"Gaddafi ist nicht in Tripolis. Er ist an einem Ort ungefähr 150 Kilometer von Tripolis entfernt mit einem seiner Söhne“, sagt hingegen Atman Ibrahim Mleita, der Kommandeur der Rebelleneinheit al-Karkar, im Westen der Hauptstadt. Der frühere Zentralbankchef Farhat Bengdara glaubt, dass Gaddafi entweder in einer Militärbasis nahe Sabha Zuflucht gesucht hat oder bereits auf dem Weg nach Algerien ist. Aus seiner Sicht könnte Gaddafi einen Teil des Goldes im Wert von insgesamt zehn Milliarden Dollar (knapp sieben Milliarden Euro) mit auf die Flucht genommen haben, auch um einige libysche Stämme und Milizen zu bestechen und für seinen Schutz zu gewinnen, sagte Bengdara der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“.

Der nationale Übergangsrat in Libyen forciere die Suche nach Gaddafi, um den Widerstand seiner letzten Anhänger zu brechen, berichtete der arabische Fernsehsender Al-Dschasira. Zugleich warnte der Chef der libyschen Übergangsregierung, Mahmud Dschibril, am Donnerstag in Mailand vor einer weiteren Destabilisierung seines Landes, falls der Westen nicht schnell die eingefrorenen Gelder des Gaddafi-Clans freigebe. Unter anderem müssten Mitarbeiter im Staatsdienst bezahlt werden, die seit vier Monaten keine Gehälter erhalten hätten. Der Übergangsrat könne scheitern, wenn er die Dienstleistungen für die Bevölkerung nicht finanzieren könne.

Italien will zur Unterstützung der libyschen Übergangsregierung zunächst eine erste Tranche in Höhe von 350 Millionen Euro freigeben. Regierungschef Silvio Berlusconi kündigte weiterhin an, der italienische Energiekonzern Eni wolle die Bevölkerung mit Gas und Benzin versorgen. Außenminister Guido Westerwelle bot deutsche Hilfe bei der Beseitigung von libyschen Giftgas-Beständen an. Der FDP-Politiker verwies auf deutsche Spezialfirmen, die mit solchen Aufgaben Erfahrung hätten. Nach Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes lagern in Libyen aus Gaddafis Zeiten noch allein elf Tonnen Senfgas. „Das ist auch heute noch eine große Gefahr“, sagte Westerwelle.

Gaddafi-Kämpfer leisteten auch am Donnerstag erbitterten Widerstand gegen den Untergang des Regimes. Feuergefechte zwischen Gaddafis Truppen und Aufständischen wurden nicht nur aus der Hauptstadt Tripolis, sondern auch aus anderen Landesteilen gemeldet. Zu den schwersten Kampfhandlungen in Tripolis kam es nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN am internationalen Flughafen. Gaddafi-Kämpfer versuchten, die Kontrolle über den Flughafen zurückzuerlangen. Auch in Gaddafis ehemaligem Militärhauptquartier Bab al-Asisija wurde weiter gekämpft. Die Aufständischen hätten erst 80 Prozent der Militäranlage mit Bunkern, Tunnelsystemen und Baracken unter Kontrolle gebracht.

Rebellen und ehemalige Regierungstruppen kämpften auch um beiden Kleinstädte Suwara und Adschajlat im Nordwesten Libyens. Wegen der fortwährenden Kämpfe in Tripolis ist die politische Führung der Opposition noch nicht von Bengasi in die Hauptstadt umgezogen. Ein Mitglied des Exekutivkomitees des Rates - vergleichbar mit einem Minister - sei aber im Westen von Tripolis eingetroffen, sagte Atman Ibrahim Mleita, Kommandeur der
Rebelleneinheit al-Karkar.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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