Südafrika Die Eiserne Lady vom Tafelberg

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Kaum jemand jenseits der Kaprepublik nahm damals von ihrem Sieg Notiz. In Deutschland interessierten weit weniger die politischen Folgen als die deutschen Wurzeln der neuen Bürgermeisterin. Dabei war ihr Sieg ein Ereignis von großer Tragweite für Südafrika. „Wenn wir in Kapstadt unsere Regierungsfähigkeit unter Beweis stellen, wäre das ein Meilenstein für unsere junge Demokratie“, frohlockte Zille.

Wie mühselig dieser Weg jedoch sein wird, haben die letzten Monate gezeigt. Obwohl der ANC alle neun Provinzen und auch vier der fünf größten Städte fest kontrolliert, erwies sich die frühere Widerstandsbewegung als denkbar schlechter Verlierer. James Ngculu, der ANC-Vorsitzende in der Provinz Westkap, drohte Zille schon beim Amtsantritt damit, seine Partei werde erst dann ruhen, wenn das „Godzilla-Monster“ beseitigt sei. Anfang September wurde Zille bei einer Demonstration sogar kurzzeitig festgenommen.

Höhepunkt der ANC-Kampagne war ein Antrag, Kapstadts Stadtverwaltung unter Kuratel der vom ANC kontrollierten Provinzregierung im Westkap zu stellen, weil die Stadt angeblich handlungsunfähig sei. Dabei machte vor allem die permanente Blockadepolitik des ANC der neuen Bürgermeisterin das Regieren lange Zeit fast unmöglich. Erst die Drohung Zilles, notfalls vor dem Verfassungsgericht in Johannesburg gegen ihre geplante Entmachtung zu klagen, bewog den ANC schließlich, den Antrag auf Vormundschaft zurückzuziehen.

Zu spät erkannte der ANC zudem, dass gerade die vielen persönlichen Attacken genau das Gegenteil bewirkten: Zilles Koalition hielt. Nicht ohne Grund wird die 56-Jährige auch „Eiserne Lady“ oder „Godzilla“ genannt. Die Frau, deren Arbeitstag um vier Uhr früh mit der Beantwortung von E-Mails beginnt und oft erst gegen 22 Uhr ausklingt, funktioniert bei richtig hoher Belastung am besten: „Ich blühe erst unter Druck richtig auf“, sagt sie. „Ohne den langen Kampf gegen die Apartheid und die Arbeit beim Aufbau der jungen Demokratie wäre mein Leben ärmer gewesen.“ Gleichzeitig ist sie für Gründlichkeit und eine gewisse Ungeduld bekannt. „Da geraten deutsches Temperament und Afrika manchmal voll aneinander“, sagt Zille.

Dass sie die Doppelbelastung als Kapstädter Bürgermeisterin und Oppositionschefin durchhält, hat aber auch viel mit dem Mann zu tun, mit dem sie seit 25 Jahren verheiratet ist: Soziologieprofessor Johann Maree. Zusammen mit ihren Söhnen Paul und Thomas leben die Zilles seit Jahren in einem bescheidenen Haus im Kapstädter Vorort Rosebank, gleich neben der Bahnlinie. „Meine Männer tragen stark dazu bei, dass ich nicht abhebe“, sagt Zille. Bei einem Konzert der Band ihres Sohnes Paul sah man sie jüngst wild tanzen. „Noch nie hat man ihren perfekt frisierten Kopf so in Bewegung gesehen“, schrieb erstaunt die Johannesburger Zeitung „The Star“.

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