Südafrika
Ein ganzes Land leidet mit Nelson Mandela

Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela liegt im Sterben. Sein Schicksal bewegt das Volk. Andrew Mlangeni, der mit Mandela auf der Sträflingsinsel einsaß, spricht vielen aus der Seele: „Lasst ihn bitte endlich gehen.“
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KapstadtJahrelang wurde sie in Südafrika kaum zur Kenntnis genommen. Doch seit der letzten schweren Erkrankung von Nelson Mandela vor drei Wochen hat sich seine älteste Tochter Makaziwe, das einzig überlebende Kind aus seiner ersten Ehe mit Evelyn Mase, zur einer Art Sprecherin des Mandela-Clans aufgeschwungen. Zunächst tommelte sie zu Wochenbeginn am Altersitz ihres Vaters in Qunu die Familie zusammen. Dann gab die 59-Jährige als einziges Clan-Mitglied dem Staatssender SABC ein langes Interview, in dem sie zumindest indirekt bestätigte, dass der weltweit verehrte Freiheitskämpfer und Friedenstifter in einer Privatklinik der Hauptstadt Pretoria im Sterben liegt. „Ich will nicht lügen“ sagte sie, „aber er sieht überhaupt nicht gut aus“. Sein Schicksal liege allein in der Hand Gottes. Allerdings öffne Ihr Vater die Augen und reagiere auf Berühungen.

Umso überraschender mutet es an, dass wenig später Südafrikas Staatschef Jacob Zuma, der Mandela noch am späten Mittwoch im Hospital besucht und daraufhin einen für Donnerstag geplanten Besuch im Nachbarland Mosambik abgesagt hatte, leichte Entwarnung gab. Nach einer weiteren Klinikvisite am Donnerstag, ließ Zuma öffentlich verbreiten, Mandelas Gesundheitszustand habe sich verbessert. Zwar befinde er sich noch immer in einem kritischen Zustand aber sei nun wieder „stabil“.

Wie Mandelas Tochter, die vor allem die vor der Klinik stationierten ausländischen Medien als „Geier“ bezeichnete, geißelte auch Zuma die vielen Gerüchte über Mandelas angeblichen Gesundheitszustand. Er sei entsetzt darüber. In der Tat gibt es seit Tagen immer neue Gerüchte und Tweeds, darunter viele Falschmeldungen.

Am Mittwoch hatte der Johannesburger „Citizen“ unter Berufung auf Familienangehörige berichtet, Südafrikas erster schwarzer Präsident werde inzwischen künstlich beatmet und leide zudem an Nierenversagen, was eine regelmäßige Blutwäsche alle drei Stunden notwendig mache. Auch ein Gebet des Kapstädter Erzbischofs Thabo Makgoba am Krankenbett Mandelas, zusammen mit dessen Ehefrau Graca Machel, war von den Medien sogleich als Indiz dafür gewertet worden, dass Mandelas Tod unmittelbar bevorstünde.

Die meisten Menschen am Kap scheinen sich bei aller Verehrung für Mandela inzwischen ohnehin mit dem nahenden Tod des südafrikanischen Gründervaters abgefunden zu haben. Viele wünschen ihm wie Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu mittlerweile vor allem „ein Ende seiner Leiden“. Auch Andrew Mlangeni, der einst mit Nelson Mandela auf der Sträflingsinsel Robben Island einsaß, sprach vielen Südafrikanern aus der Seele, als er die Familie vor kurzem öffentlich dazu aufrief: „Lasst ihn bitte endlich gehen.“

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