Südafrika in der Krise
Präsident Zuma spielt „russisches Roulette“

Südafrikas Präsident Jacob Zuma hat seinen Finanzminister entlassen und sein Land damit in eine Krise gestürzt. Es geht um russische Atomkraftwerke, eine strauchelnde Fluggesellschaft und ein uneheliches Kind.

JohannesburgDer Befreiungsschlag ist gründlich misslungen. Jetzt gilt Südafrikas Präsident Jacob Zuma als angezählt. Er feuerte seinen kritischen, aber international respektierten Finanzminister, um stattdessen einen biegsamen, aber unerfahrenen Günstling einzusetzen. Doch der Aktienmarkt brach ein und die Währung sackte ab.

Unter medialem Dauerfeuer musste Zuma vier Tage später die Kehrtwende einleiten. Mit der Ernennung von Pravin Gordhan hat das Land nun den dritten Finanzminister innerhalb einer Woche.

Die Arbeitslosenrate in Südafrika, der zweitgrößten Volkswirtschaft des Kontinents, liegt offiziell bei über 25 Prozent. Die Wirtschaft wächst kaum, doch der Präsident schien zuletzt mehr damit beschäftigt, Günstlinge an guten Stellen zu platzieren und Korruptionsvorwürfe abzuwehren. „Die Macht hat ihn korrumpiert“, sagt der südafrikanische Analyst Max du Preez.

Die Minister-Rochade habe deutlich gemacht, dass er die Regierungsgeschäfte nicht mehr im Griff habe. „Noch nie stand er so unter Druck.“

Viele Beobachter erwarten, dass der mit absoluter Mehrheit regierende ANC Zuma früher oder später absetzen wird, um einer Abstrafung durch die Wähler zu entgehen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Zuma als Präsident überlebt“, sagt Analyst Dawie Roodt. Die Opposition forderte umgehend Zumas Rücktritt. Bantu Holomisa, ein früheres ANC-Mitglied, sagte, Zuma sei offenbar im Panikmodus. „Es ist offensichtlich, dass Präsident Zuma die Kontrolle verloren hat.“

Zuma (73) überraschte das Land und die Finanzmärkte am Mittwochabend mit der Mitteilung, dass Finanzminister Nhlanhla Nene von seinem Amt entbunden sei. An seiner Stelle setzte er David Van Rooyen ein, einen weitgehend unbekannten Parlamentarier, der vor Jahren mal Bürgermeister einer Kleinstadt war.

Die Landeswährung, der Rand, brach umgehend ein. Wegen der schwachen Konjunktur und der erwarteten Zinserhöhung durch die US-Zentralbank hat die Währung damit seit Jahresbeginn zeitweise bereits ein Drittel ihres Werts verloren. Wegen rasant steigender Kosten des Schuldendienstes warnten Analysten, Südafrika würde vielleicht bald Hilfe vom Internationalen Währungsfonds brauchen.

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Kritik am Kauf russischer Atomkraftwerke

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