Südafrika
Jacob Zuma: Versöhner oder Spalter?

Südafrika wählt einen neuen Präsidenten und der Sieger steht schon fest. Es gilt als sicher, dass Jacob Zuma die Nachfolge von Präsident Mbeki antreten wird. Doch ob der "Volkstribun" tatsächlich Nelson Mandelas Erbe fortführen kann, gilt als unsicher. Kaum ein südafrikanischer Politiker ist so umstritten wie er.

KAPSTADT. Südafrika stolpert durch seine schwerste Zeit seit dem Ende der Apartheid vor 15 Jahren. Die Nachwehen des erbitterten Machtkampfes im Afrikanischen Nationalkongress (ANC), der vor sechs Monaten in einer Palastrevolte gegen Präsident Thabo Mbeki gipfelte, haben die Regierungspartei am Kap nachhaltig geschwächt. Mit der heutigen Präsidentschaft- und Parlamentswahl hofft die frühere Widerstandsbewegung, endlich einen Schlussstrich unter den zermürbenden Zwist in den eigenen Reihen zu ziehen – und sich unter Jacob Zuma, dem neuen, starken Mann, neu sammeln zu können.

Dabei polarisiert gerade Zuma das Land wie kein anderer. Die Liste der Vorwürfe gegen ihn ist lang: dass er korrupt sei und fünf Frauen hat, dass er das Aids-Virus für etwas hält, dessen man sich unter der Dusche entledigen kann, dass er politisch auf Gewerkschaften und Kommunisten baut und als Volkstribun die Menschen verführe. Ohne Zweifel ist Zuma ein Mann mit vielen Schwächen. „Bei allen Vorbehalten sollte jedoch nicht vergessen werden, dass er es war, der sich Mbekis totalem Machtanspruch mutig widersetzt und damit Südafrikas geknebelter Zivilgesellschaft neuen Freiraum verschafft hat“, gibt der Historiker R.W. Johnson zu bedenken.

Vor allem aber ist Zuma kein Spalter. Anders als bei Mbeki spürt man bei ihm, dass er Menschen jedweder Hautfarbe mag – und sie ihn. Dies könnte dem 67-Jährigen helfen, die alte Versöhnungspolitik Nelson Mandelas neu zu beleben. Denn Südafrika ist noch immer ein nach Rassen tief gespaltenes Land.

Zumas große Beliebtheit im Volk erklärt auch, weshalb sein angeschlagener ANC, der Südafrika seit 15 Jahren quasi allein regiert, auch bei dieser Wahl wieder eine deutliche absolute Mehrheit erringen wird. Derzeit kontrolliert der ANC alle neun Provinzen und alle großen Metropolen im Land mit Ausnahme von Kapstadt. Für die junge Demokratie am Kap wäre es schon ein kleiner Erfolg, wenn der ANC seine gegenwärtige Zweidrittelmehrheit im Parlament aus dem Jahr 2004 (69 Prozent) verfehlen würde. Jüngsten Umfragen zufolge ist dies wahrscheinlich. Allgemein werden dem ANC zwischen 60 und 65 Prozent der Stimmen prophezeit.

Der Hauptgrund für die möglichen Stimmenverluste des ANC liegen im Aufkommen einer neuen Oppositonspartei, die sich Ende vergangenen Jahres als Folge des Machtkampfes zwischen Zuma und Mbeki formiert hat. Seit seiner Gründung im Dezember 2008 ist der Congress of the People (Cope) zu einem Sammelbecken vieler unzufriedener und enttäuschter ANC-Mitglieder geworden. „Bereits vorher waren viele der Ansicht, dass eine echte Alternative zum ANC nur aus einer Spaltung der Organisation erwachsen könne“, sagt der politische Analyst Aubrey Matshiqi. „Dies erklärt auch, weshalb das Interesse an Cope so immens war.“

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