Südafrika
Kap der Angst

Wie die Tiere jagen schwarze Südafrikaner tagelang Einwanderer aus anderen Teilen des Kontinents quer durch Durban. Der Hass geht von denen aus, die einst selbst unterdrückt wurden. Politiker befeuern den Rassismus.
  • 0

KapstadtMit der Küstenmetropole Durban verbinden Südafrikaner für gewöhnlich Palmen, Strände und ein ständig warmes Meer. Zumal es hier selbst im Winter, wenn es beim touristischen Rivalen Kapstadt am anderen Ende des Landes, stürmt und regnet, zumeist sonnig und mild ist. Umso größer ist der Schock im Land über das, was sich zuletzt in der Innenstadt der Ferienmetropole, aber auch anderen Teilen der angrenzenden Küstenprovinz KwaZulu-Natal ereignet hat: Wie Tiere jagten hier schwarze Südafrikaner tagelang Immigranten aus anderen Teilen des Kontinents.

Das Muster war dabei oft das gleiche: Sobald der Mob im Besitzer eines der kleinen Läden im Herzen von Durban einen Zuzügler aus Afrika ausmachte, wurde der Shop geplündert und oft gleich zusammen mit seinem Besitzer in Brand gesteckt. Mindestens sechs schwarze Zuwanderer wurden dabei bislang ermordet, darunter ein Äthiopier, der in seinem kleinen Ladencontainer bei lebendigem Leibe verbrannte.

Auch der Fremdenverkehr leidet. „Viele Touristen erkundigen sich bestürzt, ob die Gewalt nahe ihrer Unterkunft tobt“, berichtet der Manager eines bekannten Strandhotels. Viele hätten im letzten Moment ihre Buchung storniert. Schon in drei Wochen soll in Durban Südafrikas prestigeträchtige Tourismusmesse „Indaba“ stattfinden, zu der Hunderte von Reiseagenten aus aller Welt erwartet werden.

Inzwischen haben rund eintausend schwarze Immigranten, vorwiegend aus Malawi, Somalia und dem Kongo, voller Angst in Polizeistationen und einigen provisorisch errichteten Zeltlagern Zuflucht gesucht. Zurück in ihre geplünderten Behausungen wollen und können sie nicht. „Lieber zurück in die Hölle der Heimat als das hier“, sagt ein Immigrant entgeistert. Neben Malawi will nun auch Somalia die eigenen Landsleute so schnell wie möglich nach Hause bringen. Yusuf Olusu, Handelsattaché der somalischen Botschaft in Johannesburg, bezeichnete sein vom Bürgerkrieg ruiniertes Land sogar als „sicherer als Südafrika“.

Auslöser der jüngsten Pogrome war offenbar eine Äußerung des Zulukönigs Goodwill Zwelithini. Der von seinen Anhängern verehrte Monarch hatte vor drei Wochen in einer Rede die südafrikanische Regierung ausdrücklich zum Rauswurf der Ausländer gedrängt. Obwohl Zwelithini dies nun heftig bestreitet, sagte er, wie ein Video deutlich belegt, damals wörtlich: „Wir wollen, dass Ausländer ihre Sachen packen und nach Hause gehen.“ Als wenig hilfreich erwies sich, dass ausgerechnet Edward Zuma, der Sohn des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma, dem Zulukönig wenig später beipflichtete, als er in einem Radiointerview davor warnte, dass Südafrika auf einer Zeitbombe säße und Ausländer das Land übernehmen wollten.

Kommentare zu " Südafrika: Kap der Angst"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%