Südafrika
Kein Ende der Gewalt

Südafrika kommt nicht zur Ruhe; die fremdenfeindlichen Übergriffe auf afrikanische Zuwanderer gehen offenbar weiter. Immer mehr Menschen fallen den Gewalttaten zum Opfer. Hunderte sind verletzt worden.

HB JOHANNESBURG. Die Zeitung „Saturday Star“ (Johannesburg) berichtete, mindestens fünf Menschen seien in dieser Woche bei neuen Übergriffen ums Leben gekommen. Offiziell stieg die Zahl der Toten seit dem Ausbruch der Gewalt vor drei Wochen nach Polizeiangaben auf 62, nachdem sechs Ausländer ihren schweren Verletzungen erlagen. Bislang war von 56 Todesopfern die Rede.

Unter Berufung auf einen unveröffentlichten Polizeibericht schrieb die Zeitung, ihre Information widerspreche den Angaben der Regierung. In der offiziellen Bilanz der vergangenen Woche sei lediglich von 41 Verletzten bei 86 fremdenfeindlichen Übergriffen die Rede. 107 Gebäude seien entweder geplündert worden oder abgebrannt.

Seit dem Ausbruch der Gewalt vor drei Wochen seien insgesamt 670 Menschen verletzt worden, erklärte Polizeisprecherin Sally de Beer. Die fremdenfeindliche Gewalt gegen Mosambikaner, Simbabwer, Somalier, Äthiopier, Nigerianer, Pakistaner, Inder oder auch Chinesen hatte in Johannesburgs Township Alexandra begonnen und sich landesweit verbreitet. Sie richteten sich vor allem gegen illegal Eingewanderte, denen vorgeworfen wurde, Südafrikanern die Arbeitsplätze wegzunehmen.

Hunderte wurden vergewaltigt oder verletzt, Zehntausende flohen in Todesangst in Nachbarländer oder Notunterkünfte, die nach Einschätzung des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) keine menschenwürdigen Standards haben. Trotz winterlicher Temperaturen müssten dort viele Menschen im Freien schlafen. Zudem kämen die meisten Decken, Medikamente und Lebensmittel nicht von der Regierung, sondern von privaten Spendern.

Vertriebene im Großraum Johannesburg sowie der Provinz KwaZulu- Natal berichteten unterdessen von anhaltenden Todesdrohungen und Einschüchterungen. Die vor allem aus Johannesburg und Pretoria bestehende Provinz Gauteng hat die von den Gewaltexzessen betroffenen Gebiete zum Katastrophengebiet erklärt. Nach langem Zögern bat die Regierung das UNHCR um Hilfe, das 2 000 Zelte für 10 000 Menschen spendete. Das Hochkommissariat sprach von 100 000 Vertriebenen im Lande, die Regierung schätzte die Zahl auf 35 000.

Der Chef der südafrikanischen Regierungspartei ANC, Jacob Zuma, hat den Opfern der Gewalt Hilfe zugesagt. „Wir sind für Euch da“, sagte der Politiker am Freitagabend beim Besuch einer Polizeistation südlich von Johannesburg, die zu einer Notunterkunft für Hunderte Flüchtlinge geworden ist. Das Schicksal der Menschen gehe ihm sehr nahe. Die Lage sei aber unter Kontrolle, fügte Zuma mit Blick auf die Kritik an Staatspräsident Thabo Mbeki hinzu.

Dieser hat die Gewalt zwar verurteilt und die Armee eingesetzt, seit Beginn der Hetzjagden auf afrikanische Einwanderer Mitte Mai jedoch keines der betroffenen Elendsviertel persönlich besucht.

Die Gewalt gegen Ausländer, hauptsächlich Einwanderer aus dem benachbarten Simbabwe, hat Investoren und Touristen verunsichert. Südafrika, das 2010 die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten will, galt lange Zeit als Vorzeigeland auf dem afrikanischen Kontinent und als Bastion wirtschaftlicher und politischer Stabilität.

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