Südafrika nach Mandelas Tod
„Die Einheit des Landes hat ihr Symbol verloren“

Ein Land in Trauer, ein Land im Ausnahmezustand: Südafrika nimmt Abschied vom größten Sohn des Landes, Nelson Mandela. Die Menschen weinen, sie tanzen, sie erinnern sich an ihr Idol – und das alle gemeinsam.
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KapstadtEs war der Tag, vor dem sich die Südafrikaner mehr als vor jedem anderen gefürchtet hatten – und auf den sie seit Monaten voller Sorge hinlebten. Als sich die traurige Nachricht am späten Donnerstag gegen Mitternacht im ganzen Land verbreitete, war der Schock dennoch fast physisch spürbar: Der Tod ihres Nationalhelden Nelson Mandela hat Südafrika in seinem Innersten erschüttert und einen tiefen Schatten auf die eben erst begonnenen Sommerferien geworfen.

Die zentrale Trauerfeier für den verstorbenen südafrikanischen Nationalhelden Nelson Mandela soll am Dienstag, 10. Dezember, im FNB-Stadion von Johannesburg stattfinden. Das teilte Südafrikas Präsident Jacob Zuma am Freitag in Johannesburg mit. Zu der Trauerfeier werden Staatsoberhäupter aus aller Welt erwartet. Mandela war am Donnerstag im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in einem Vorort von Johannesburg gestorben.

Für diesen Sonntag, 8. Dezember, kündigte Zuma einen nationalen Tag der Trauer und des Gebets an. „Wir werden eine Woche lang trauern. Und wir werden auch eine Woche lang sein erfülltes Leben feiern“, sagte Südafrikas Staatsoberhaupt.

Anschließend erhalten die Südafrikaner Gelegenheit, persönlich von ihrem ersten schwarzen Präsidenten Abschied zu nehmen. Vom 11. bis 13. Dezember wird der Leichnam Mandelas in der Hauptstadt Pretoria aufgebahrt. Das Begräbnis soll am Sonntag, 15. Dezember, in Qunu (Ostkap) stattfinden. Dort war der Friedensnobelpreisträger aufgewachsen.

Selbst sein hohes Lebensalter konnte viele Südafrikaner, die mit Mandela und seiner steten, beruhigenden Präsenz über 20 Jahre lang aufgewachsen waren, nur bedingt über seinen Verlust hinwegtrösten. „Es war zuletzt fast so als würde man seinem Großvater beim Sterben zuschauen“ sagte der Johannesburger Publizist Mondli Makhanya, der sich ein Südafrika ohne Mandela partout noch nicht vorstellen kann. „Nicht, dass unser Land nun auseinanderbrechen oder der Himmel einstürzen würde“, sagt Makhanya, „aber die Einheit des Landes ist ihres Symbols beraubt worden.“

Dennoch mischte sich bereits kurz nach dem Bekanntwerden der Todesnachricht auch eine diffuse Erleichterung in die Trauer, weil das lange Leiden Mandelas nun ein Ende hat. Erst vor zwei Wochen hatte seine Ex-Frau Winnie in einem Zeitungsinterview erklärt, der 95-Jährige sei „ziemlich krank“ und könne wegen der vielen Schläuche in seinem Mund nicht mehr sprechen. Kommunizieren würde er allein noch mit seinem Gesicht.

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Spekulationen um die Rolle des ANC

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